Was entscheidet, ob deine Blog-Artikel gelesen werden, oder nicht?

Spoiler: Die meisten Online-Texte werden NICHT gelesen!

55 Prozent aller Online-Nutzer verbringen weniger als 15 Sekunden auf einer Website. Die durchschnittliche Besuchszeit beträgt weniger als eine Minute.

Das nicht geheime Geheimnis für erfolgreiche Blog-Artikel ist: Du musst die Aufmerksamkeit deiner Website-Besucher innerhalb weniger Sekunden gewinnen – und sie während der gesamten Besuchsdauer fesseln.

Wie schreibst du solche Texte für einen Blog-Artikel? Wie lernst du den richtigen Aufbau und Schreibstil dafür?

Es hat wenig damit zu tun, was uns in der Grundschule oder in einem Volkshochschulkurs als „schön schreiben“ verkauft wird!

Hast du je eine solche Einrichtung besucht, vergiss jetzt bitte alles, was du dort gelernt hast.

Bevor wir zu den 27 Tipps für erfolgreiche Blog-Artikel kommen, erst etwas Theorie – und die ist gar nicht trocken!

Damit du die Tipps besser verstehst, lass uns anschauen, wie sich Besucher auf einer Website verhalten:

Online-Nutzer lesen nicht; sie „scannen“

Fast niemand wird deine Website-Texte als Ganzes lesen vom ersten bis zum letzten Wort.

Finde dich damit ab.

Studien zeigen, dass Nutzer Texte im Internet nicht lesen, sondern überfliegen.

Sie „scannen“ eine Seite mit den Augen und picken einzelne Worte oder Sätze heraus. Bleiben sie an einer Stelle hängen, weil sie dort nützliche Informationen vermuten, lesen ein Stück. Wenn sie nirgendwo hängen bleiben, versuchen sie es bei der nächsten Website.

Deine Website-Besucher möchten keine Texte lesen. (Du bist ja nicht ZEIT Online oder die FAZ.) Sie suchen nach einer Antwort auf eine Frage, einer Lösung für ein Problem oder schlicht nach einem Produkt.

Sie treffen schnelle Entscheidungen aus dem Bauch heraus, ohne nachzudenken.

Jakob Nielsen verglich Online-Nutzer auf Informationssuche mit wilden Tieren.

Keine Pointe.

Riecht ein Raubtier eine Chance auf Beute, wägt es unterbewusst seine Chancen ab:

Lohnt sich der Aufwand? Wird das eine leckere Mahlzeit? Stehen meine Chancen gut oder gehe ich unnötige Risiken ein?

Hat es den geringsten Zweifel, wartet es auf die nächste, bessere Gelegenheit.

Menschen sind faul. Sie möchten maximalen Nutzen bei minimalem Aufwand.

Lange Texte zu lesen, um Antworten zu bekommen, entspricht schlicht und einfach nicht den Gewohnheiten des durchschnittlichen Online-Nutzers.

Wenn er schon einen Text lesen muss, dann darf es nicht zu kompliziert sein.

Je eher du diese Erkenntnis verinnerlicht hast, desto besser werden deine Blog-Artikel.

Gestalte deine Artikel so, dass

  • die Aufmerksamkeit des Besuchers innerhalb weniger Sekunden gefesselt wird
  • der Besucher bereits beim Überfliegen des Artikels erkennt, wie wertvoll und nützlich er für ihn ist.
  • der Text möglichst einfach zu lesen und unterhaltsam ist.

Nun zu den Tipps! Die ersten 14 drehen sich eher um die Form und den Aufbau deines Blog-Artikels; die letzten 13 Tipps helfen dir, dich besser auszudrücken und deine Inhalte spannender zu vermitteln.

1. Baue Texte als umgekehrte Pyramide auf

Strukturiere deinen Text nach dem Prinzip der umgekehrten Pyramide – oder anders ausgedrückt von breit nach schmal.

Wie sieht dieses Prinzip aus?

Beginne mit der wichtigsten Botschaft, den wesentlichen Fakten, einem Überblick über das Thema („breit”) und gehe erst nach und nach ins Detail („schmal”).

Das Prinzip der umgekehrten Pyramide für Blog-Artikel

Bei einem Blog-Artikel solltest du den Inhalt zu Beginn in wenigen Sätzen zusammenfassen und den Nutzen des Artikels für den Leser herausstellen.

Danach gehst du auf die Hauptpunkte ein. Im Laufe des Artikels gehst du weiter in Details und erklärst auch Nebengedanken, die wahrscheinlich nur einen Teil der Leser interessieren.

Es ist vielleicht verlockend, einen Text mit einer schönen Geschichte zu beginnen. Besonders, wenn du gerne schreibst.

Fängst du den Text aber mit weniger wichtigen Details oder einer langen Vorrede an, springt dir ein großer Teil der Leser sofort wieder ab.

Sie sind unsicher, ob ihre wesentlichen Fragen in deinem Text später noch beantwortet werden und suchen lieber nach einer anderen Website, die es ihnen leichter macht.

2. Schreibe zuerst eine Gliederung

Du hast eine Idee für einen Blog-Artikel, hast tausend Gedanken dazu und viele Informationen recherchiert.

Fange jetzt auf keinen Fall sofort mit dem Schreiben an!

Die Gefahr ist groß, dass der Artikel unübersichtlich und überladen wird.

Schreibe alle Punkte auf, die du verwenden möchtest. Gliedere sie in Haupt- und Unterpunkte und bringe sie in eine sinnvolle, logische Reihenfolge.

Überlege, welche Gedanken du weglassen kannst und wo noch Lücken sind, die du füllen musst.

Wenn du selbst keine klare Vorstellung vom Thema hast, wie willst du deinen Lesern diese vermitteln?

3. Formuliere eine knackige Überschrift

Die Überschrift ist das Erste, was jeder Besucher von deinem Artikel zu sehen bekommt.

Sie muss für sich allein sprechen. In Suchmaschinen oder sozialen Netzwerken entscheidet die Überschrift darüber, wie viele Klicks du bekommst.

Laut Quicksprout lesen 8 von 10 Nutzern eine Überschrift, aber nur 2 den ganzen Rest des Textes.

Verstehst du nun, wie wichtig deine Überschrift ist?

Gehe nicht über die Überschrift hinweg! Nimm dir Zeit, sie zu texten und probiere verschiedene Varianten aus.

Überschriften zu formulieren ist eine Wissenschaft für sich.

Einige Faustregeln sind:

  • Erwähne das Problem und die Lösung.
  • Halte die Überschrift trotzdem kurz und knackig.
  • Verwende starke Verben.
  • Verwende interessante Adjektive.
  • Verwende negative Begriffe.
  • Baue eine Zahl ein.
  • Wecke Neugier.

Auf Hubspot findest du 13 Typen an Überschriften, die dir mehr Klicks bringen (auf Englisch).

Übrigens, ich texte die Überschrift meistens zum Schluss, sozusagen als Sahnehäubchen auf einem großartigen Artikel.

4. Wecke Interesse mit einer kurzen Einleitung

Nach der Überschrift müssen die einleitenden Sätze deinen Leser fesseln.

Du musst dein vollmundiges Versprechen aus der Überschrift in der Einleitung einlösen.

Wie schaffst du das?

Ködere den Leser mit klaren Aussagen, was ihm der Text für einen Nutzen bietet und warum er unbedingt weiterlesen muss.

Mache ihm deutlich, wie er von deinem Text profitieren wird, wie er durch die Tipps erfolgreicher wird, Geld oder Zeit sparen kann.

Wecke Neugier: Erwähne zum Beispiel einen ungewöhnlichen Aspekt, den du später im Text erklären wirst.

Verwende kurze, prägnante Sätze, damit dein Besucher deine Botschaft sofort erfassen kann.

Baue ein Szenario auf, das sich der Leser vorstellen kann, statt nur Fakten aneinander zu reihen.

5. Verwende sehr kurze Absätze

Lange Textwüsten sehen nicht nur unattraktiv aus, sie sind schwer zu lesen.

Wie erwähnt, wollen Online-Leser in der Regel Texte nicht von A bis Z durchlesen, sondern suchen sich die für sie relevanten Informationen heraus.

In langen Texten ohne Absatzumbrüche ist das fast unmöglich.

Füge deshalb nach jeweils einem ein bis drei Sätzen einen Absatz ein, wie ich es in diesem Artikel mache.

Sehr wichtige Aussagen dürfen sogar allein stehen!

Je mehr Besucher du hast, die deine Website auf Mobilgeräten anschauen, desto wichtiger sind kurze Absätze. Zehn Zeilen auf einem Desktop-Monitor ergeben leicht 20 Zeilen auf einem Smartphone und füllen das ganze Display aus!

6. Gliedere den Text mit Zwischenüberschriften

Gliedere deinen Blog-Artikel in kurze, einfach zu verdauende Häppchen. Strukturiere ihn mit beschreibenden Zwischenüberschriften.

Sei nicht zu kreativ. Es kommt auf den Informationsgehalt der Zwischenüberschriften an.

Die Überschriften sollten jeweils den Hauptgedanken des folgenden Inhalts hervorheben. Vermittle dem Leser ein klares Bild, was ihn erwartet, wenn er weiterliest.

Dadurch kann dein Leser die Hauptpunkte des Artikels erfassen, während er ihn überfliegt.

Welchen Text liest du lieber? Na gut, inhaltlich sind beide eher mittelmäßig, aber der rechte sieht wenigstens gut aus!

7. Baue Bilder und Videos ein

90% der Informationen, die unser Gehirn aufnimmt, ist visuell. Und es verarbeitet bildliche Informationen bis zu 60.000 Mal (!) schneller als Text.

Baue auf jeden Fall Bilder in deinen Text ein.

Besser noch als „nur schöne“ Fotos sind Infografiken oder Illustrationen, die helfen, deinen Text besser zu verstehen. Ein Diagramm ist deutlich einfacher zu erfassen als eine Tabelle mit Zahlen.

Videos sind extrem beliebt und werten einen Artikel auf. Du brauchst nicht einmal eigene Videos zu produzieren. Auf Youtube findest du zu fast allen Themen Videos, die du in deinen Artikel einbetten kannst.

8. Schreibe interessante Bildtexte

Wenn du eine Zeitschrift durchblätterst, was liest du als erstes?

Oftmals sind es die Bildtexte. Vor allem, wenn sie spannend, lustig oder ironisch geschrieben sind.

Wiederhole oder beschreibe nicht einfach den Inhalt des Bildes im Bildtext. Greife die Aussage des Bilder auf und formuliere die Botschaft, die du mit dem Bild senden möchtest.

9. Nutze andere, visuelle Elemente

Gestaltete Elemente lockern einen langen Text visuell auf. Sie signalisieren dem Leser einen unterhaltsamen, leicht verständlichen Artikel.

Beispiele für solche Elemente sind:

Hingucker in Blog-Artikeln

  • Farbige Boxen
  • Sprechblasen
  • Icons
  • Hervorgehobene Zitate
  • Kernaussagen in großer Schrift

Nutze solche Elemente, um wichtige Informationen hervorzuheben oder um Neben- oder Hintergrundinformationen einzubauen, die deinen Fließtext aufblähen würden.

Wenn Sie gut gemacht sind, sprechen visuelle Elemente das Auge an und helfen den Lesern, sich wichtige Gedanken einzuprägen.

10. Hebe wichtige Wörter oder Satzteile fett hervor

Hebe wichtige Textpassagen oder einzelne Wörter durch Fettdruck hervor.

Der Leser erkennt dadurch, worum es geht und kann besser im Text „navigieren“. Durch Hervorhebungen sorgst du dafür, dass sein Blick an den wichtigen Stellen hängen bleibt.

Setze dieses Mittel sparsam ein, ansonsten geht die Wirkung verloren.

11. Verwende strukturierte Listen

Verwende nummerierte Listen oder Aufzählungen statt langer Textabsätze.

Leser lieben Listen. Sie sind:

  • Für das Auge angenehm zu lesen,
  • einfach zu merken
  • und anzuwenden.

Sie brechen komplexe Sachverhalte in simple Schritte oder Bestandteile herunter.

Manchmal kannst du aus Fließtexten durch ein paar Änderungen eine Liste machen. Oder du fasst nach einer ausführlichen Erklärung die wichtigsten Punkte in einer kurzen Liste zusammen.

Listen sollten jedoch nicht zu lang sein: Als Faustregel gilt, dass das menschliche Gehirn etwa sieben Punkte auf einmal erfassen kann.

12. Verlinke zu deinen anderen Inhalten

Konntest du einen Besucher auf deine Website locken, darf er gerne etwas länger dableiben!

Biete ihm weitere Informationen an und verlinke im Text auf andere Artikel oder Bereiche deiner Website.

Jede weitere Seite, die dein Besucher auf deiner Website anschaut, ist eine weitere Gelegenheit, ihn von deinem Angebot zu überzeugen.

Formuliere Linktexte so, dass der Leser erkennt, wohin ihn ein Link führt.

Hebe wichtige Links hervor, zum Beispiel durch Fettdruck, und fordere den Leser zum Klick auf.

Setze nicht zu viele Links, um den Leser nicht zu verwirren.

13. Baue Call-to-Actions ein

Wir erinnern uns: Der Leser ist nicht zur reinen Unterhaltung hier, sondern sucht wahrscheinlich nach der Lösung für ein Problem. Und das möglichst bequem, ohne groß nachzudenken.

Was ist der nächste logische Schritt für deinen Leser, wenn er die Information gefunden hat, die er gesucht hat?

Lässt du ihn mit dieser Frage allein, riskierst du, dass er auf den Zurück-Button seines Browsers klickt: „Danke für die Hilfe, und tschüss!“

Biete ihm stattdessen klare Handlungsoptionen an, die ihm weiterhelfen:

  • Ein Video anschauen oder einen weiteren Artikel lesen
  • Ein E-Book oder Whitepaper herunterladen
  • Sich für den Newsletter anmelden
  • Dich anrufen oder dir eine E-Mail schreiben
  • Ein Produkt kaufen

Hebe wichtige Handlungsaufforderungen visuell hervor, zum Beispiel durch eine Call-to-Action-Box.

Keine Action ohne Call-to-action: Baue Call-to-action-Elemente in deine Blog-Artikel ein.

Nutze Verben und sprich den Leser direkt an:

  • Lade dir … herunter
  • Registriere dich hier
  • Lerne mehr
  • Buche jetzt…

Scheue dich nicht, klar zu sagen, was der Leser tun soll. Ist er nicht interessiert, wird er es sowieso ignorieren.

Platziere die Call-to-Action auf jeden Fall am Ende des Artikels. Da viele Leser jedoch Texte nicht bis zum Ende durchlesen, kannst du sie auch mehrfach innerhalb des Textes oder zusätzlich in einem Pop-up-Fenster unterbringen.

14. Bonus-Tipp: Teste und optimiere

Ob dein Blog-Artikel funktioniert, wie du es geplant hast, kannst du nur durch Testen herausfinden. Messe das Verhalten deiner Blog-Besucher mit einer Web-Analytics-Software wie Google Analytics oder Matomo.

Beobachte wichtige Kennzahlen wie die durchschnittliche Verweildauer und die Absprungrate (der Anteil der Besucher, der deine Website ohne eine Aktion wieder verlässt).

Mit sogenannten Heatmaps kannst du sogar herausfinden, an welcher Stelle deines Artikels sich deine Leser verabschieden.

Stellst du fest, dass viele Besucher eines Artikels schnell wieder umkehren, überlege dir, woran es liegen könnte. Optimiere den Blog-Artikel und beobachte, wie sich die Messdaten verändern.

15. Sei unkreativ

Online-Texte zu schreiben hat nichts mit kreativem Schreiben zu tun.

Menschen besuchen deine Website nicht, um zu lesen, sondern um schnell und mühelos an Informationen zu kommen.

„Kreative” Texte halten sie davon ab.

Blumige Formulierungen, weit schweifende Exkurse und schwer verständliche Wortspiele gehören ins Feuilleton der FAZ, aber nicht auf deine Website.

Einfache Aussagen funktionieren am besten. Fast immer.

16. Sieh jeden Text als ein Gespräch

Ich lese täglich englische und deutsche Texte. Dabei fällt mir eines auf:

Englische Texte sind fast alle viel lockerer geschrieben.

Als ein Volk von Ingenieuren haben wir Deutschen scheinbar das besondere Bedürfnis, uns technisch korrekt und geschliffen auszudrücken. Oder in Amtsdeutsch.

Doch ein Blog-Artikel ist keine Rede von einem Podium, selbst wenn du damit hunderte oder tausende Menschen erreichst.

Für jeden Leser ist es ein Gespräch zwischen dir und ihm. Dabei spielt es keine Rolle, ob der Leser ein Geschäftsmann am Schreibtisch ist oder ein Taxifahrer nach Feierabend.

Niemand möchte gerne belehrt oder mit komplizierten Formulierungen gelangweilt werden. Wir mögen Menschen, die einfach reden, freundlich und empathisch sind und Charakter zeigen.

Umgangssprachliches Deutsch ist auf Websites voll okay!

Mal mehr und mal weniger, je nach Zielgruppe.

Nicht jeder Satz muss Subjekt, Prädikat und Objekt haben und Sätze dürfen mit „ich” anfangen.

Das reicht wahrscheinlich nicht für eine Eins in Deutsch, aber es wird deinen Texten guttun!

Menschen kaufen bei Menschen. Am liebsten bei solchen, die sie mögen.

Je persönlicher und sympathischer dein Text ist, desto besser kannst du eine Beziehung zu deinen Blog-Besuchern aufbauen.

17. Schreibe in kurzen Sätzen

Lange Sätze sind etwas für Fans von Thomas Mann. Nichts für den durchschnittlichen Leser.

Die Aufmerksamkeitsspanne des modernen Homo Internet verkraftet 15 bis 20 Wörter pro Satz. Mehr als 30 sollten es nie sein.

Besonders auf Displays von Smartphones sind lange Sätze extrem schwer zu lesen.

18. Nutze Substantive und Verben statt Adjektiven

„Verwende Adjektive” hat mir meine Deutschlehrerin stets eingetrichtert:

Das wunderschöne blaue Auto fährt an dem alten, windschiefen Haus vorbei und biegt dann langsam um die scharf gebogene Kurve.

Das ist Quatsch. Großer, wunderschöner Quatsch.

Heute, wo alles super ist, alle Unternehmen höchst kompetent sind und alle Produkte intensiv getestet wurden, haben Adjektive ihre Bedeutung verloren. Im Gegenteil, sie schwächen eine kräftige Aussage ab.

Was hältst du von den beiden folgenden Aussagen?

  • Wir beraten Sie gerne.
  • Wir beraten Sie gerne umfassend und kompetent.

Beide Sätze sagen exakt das Gleiche aus. Nur dass man im zweiten Fall das Gefühl hat, derjenige müsse seine mangelnde Beratungsqualität durch sinnleere Adjektive kaschieren.

Verwende stattdessen Substantive und Verben. Das klingt einfach, aber stark. Ich verspreche es!

19. Nutze einfache, bekannte Wörter

Hast du die Wahl zwischen einem Fremdwort und einem deutschen Wort, entscheide dich für die einfachere Variante.

Komplizierte Wortwahl macht dich nicht zu einem Experten, sondern zu einem schlechten Texter.

Sage nicht „ambivalent”, wenn du auch „zwiespältig” sagen kannst und statt „Inkongruenz” magst du vielleicht lieber „mangelnde Übereinstimmung” sagen.

Bleibe dabei vernünftig und berücksichtige deine Zielgruppe. „Tunwörter” statt „Verben” zu sagen klingt nach Kindergarten.

Musst du ein Fremdwort verwenden, das nicht absolut gängig ist, erkläre es.

20. Entferne überflüssige und Füllwörter

Wie auch immer, dieser Punkt ist eigentlich ja auch immer wieder eines der größeren Probleme, aber du solltest unter allen Umständen darauf achten.

Wörter wie „auch“, „immer wieder“, „manchmal“, „eigentlich“, „aber“, „ja“ tragen oft kein bisschen zur Satzbedeutung bei. Du kannst sie weglassen und dein Satz wird besser klingen.

Ein „aber” deutet einen Widerspruch an – ohne hört sich ein Satz viel freundlicher an.

Pro tausend Wörtern entferne ich aus meinen Texten bei der Überarbeitung mindestens 5 mal das Wörtchen „auch“.

Hört sich der oben erwähnte Satz so nicht besser an: 

Dieser Punkt bereitet oft große Probleme. Achte darauf!

Sei ausgeglichen. Wenn bestimmte Füllwörter – sparsam eingesetzt – deine Aussage verstärken oder eine persönliche Note einbringen, behalte sie im Text.

21. Verwende Aktivsätze

Formuliere so oft wie möglich aktiv.

Sage „Wir beraten Sie” oder „Bestellen Sie hier” statt „Bei uns werden Sie beraten” und „Hier können unsere Produkte bestellt werden”.

Aktivsätze sind deutlich einfach zu lesen. Mit Aktivsätzen sprichst du deinen Leser direkt an. Passivsätze machen Aussagen, die niemanden so wirklich betreffen.

Nur in seltenen Fällen sind Passivsätze die bessere Wahl – etwa wenn der Akteur im Satz nicht bekannt oder irrelevant ist oder du ihn explizit nicht nennen möchtest.

22. Sprich den Leser direkt an

Wo wir beim Thema sind: Sprich direkt mit dem Leser. Schreibe nicht: „man könnte” oder „es ist empfehlenswert”; schreibe: „Wir empfehlen Ihnen” oder „Haben Sie schon einmal daran gedacht…?”.

Dadurch wird dein Text zum persönlichen Dialog.

Du wirst eher dein Ziel erreichen und deinen Besucher zu einer gewünschten Aktion motivieren können.

23. Vermeide Fachjargon und Abkürzungen

Deine Website ist für alle, nicht nur für Experten!

Bereite alle Informationen so auf, dass sie für jeden verständlich sind.

Selbst wenn du eine professionelle Zielgruppe hast und komplexe technische Geräte entwickelst: Nicht jeder Ansprechpartner bei deinen Kunden kennt sich mit allen Details aus!

Vermeide Fachbegriffe, oder definiere sie oder verweise auf ein Glossar. Verwende Abkürzungen erst, nachdem du erklärt hast, wofür sie stehen.

Du musst die Sprache deiner Kunden sprechen, und nicht umgekehrt!

24. Erzähle Geschichten

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte.

Aber mit nur wenigen Worten kannst du Bilder im Kopf deines Lesers entstehen lassen.

Du willst deinem Leser Informationen oder Botschaften vermitteln. Bette sie in eine Geschichte ein („Storytelling”) und dein Text wird umso wirkungsvoller.

Du brauchst keine Märchen zu erzählen. Verwende dein eigenes Beispiel oder das eines Kunden als Aufhänger.

Erzähle, welche Ergebnisse du erreichen konntest, indem du die Empfehlungen umgesetzt hast, über die du schreibst. Beschreibe die Fehler, die du gemacht hast.

Hier findest du 9 großartige Ideen, wie du Storytelling im B2B einsetzen kannst.

25. Schreibe anschaulich und detailliert

Beschränke dich dabei nicht auf allgemeine Beschreibungen. Verwende spezifische Aussagen, beschreibe Details anschaulich und gib Beispiele aus der Realität an.

Hast du die Wahl zwischen abstrakten Begriffen („Werkzeuge“) und konkreten („Hammer und Säge“), wähle konkrete. Den abstrakten Begriff dazu denkt sich der Leser automatisch – andersherum funktioniert es weniger gut.

Obwohl Joseph Pulitzer (1847-1911) – ja, der mit dem Preis – kein ausgewiesener Experte für Online-Texte war, gilt sein bekanntes Zitat bis heute:

»Wenn Du etwas schreibst – schreibe kurz und sie werden es lesen, schreibe einfach und sie werden es verstehen, schreibe bildhaft und sie werden es im Gedächtnis behalten.«

Lass mich dir zwei Beispiele geben, die so auf einer Website stehen könnten.

Die Lesen-und-Vergessen-Version:

  • Das ist die beste Bohrmaschine auf dem Markt.
  • Wir sind der Beratungspartner, der Ihnen immer hilft.

Die Bleibt-im-Kopf-Version:

  • Unsere Bohrmaschine besteht zu 100 Prozent aus panzerbrechendem Kryptonit, das bei Vollmond in nuklear-thermalen Hochöfen gebrannt wurde. Egal ob Stahl, Stein oder Holz, vor diesem Bohrwunder kapituliert jede Wand in Sekunden.
  • Egal ob Sie unser Einsteiger- oder Premium-Gold-Platinum-Paket gekauft haben, unsere Hotline ist an 7 Tagen 24 Stunden für Sie erreichbar. Unsere geschulten Support-Mitarbeiter warten nur darauf, sich um Ihr Anliegen zu kümmern.

Na gut, ein bisschen dick aufgetragen. Aber du verstehst, was ich meine?

Durch Details und bildhafte Beschreibungen bleibst du im Gedächtnis deiner Leser. Du hebst dich von deinen Mitbewerbern ab.

Und ganz nebenbei lieferst du Google eine Menge Keywords, die für dein Thema relevant sind.

Falls du es nicht bemerkt hast:

Storytelling lässt sich sogar in technischen Produktbeschreibungen anwenden!

26. Lies deinen Text Korrektur

Texte voller Rechtschreib- und Grammatikfehler lassen deine Website laienhaft und fragwürdig wirken.

Die Leser werden deine Aussagen anzweifeln – wer weiß, ob deine Recherche nicht genauso schlampig war wie dein Umgang mit der deutschen Sprache!

Außerdem bremsen Fehler den Lesefluss und lenken ab.

Lege deinen Text beiseite, nachdem du ihn fertig geschrieben hast. Lies ihn ein paar Stunden später oder am nächsten Tag mit einem klaren Kopf ein- oder zweimal Korrektur.

Hast du Schwierigkeiten mit der Rechtschreibung oder bist du bei deinen eigenen Texten Fehler-blind, nutze eine Software wie LanguageToolPlus und/oder gib dem Text jemand anderen zum Korrekturlesen.

27. Übe, übe, übe

Du bist noch nicht so richtig zufrieden mit deinen Texten?

Macht nichts! Schreiben ist ein größtenteils Handwerk und weniger eine Gabe. Jeder kann lernen, gute Online-Texte und Blog-Artikel zu schreiben.

Nach 15 Jahren als Texter kann ich das sagen.

Analysiere deine Texte und schreibe dir auf, was du verbessern möchtest. Und dann übe, übe, übe …

4 Kommentare zu „Bessere Texte schreiben lernen: 27 Tipps für erfolgreiche Blog-Artikel“

  1. Eine tolle Liste, die ich gerne weiterempfehlen werde!

    Punkt 4 würde ich gern doppelt unterstreichen und laut in die Welt hinaus schreien 🙂

    Punkt 6 sehe ich ein wenig anders. Ich habe mal irgendwo gelesen: Füllwörter geben einem Text die persönliche Note. Die von Dir genannten Beispiele zählen sicherlich nicht dazu, aber da gibt es eine Reihe von Füllwörtern, die ich in meinem Blog nicht streiche, damit mein Text „mein Text“ bleibt.

    1. Marcel Schreyer

      Hallo Eddy,

      danke für dein Lob und deinen Kommentar!

      Ich denke, wir sehen den Punkt 6 doch ähnlich. Eine gesunde Abwechslung ist nötig. Wie beim Sprechen: ein paar „äähms“ sind natürlich; kommen sie zu oft, nerven sie und lenken ab.

      Ich streiche Wörter dann, wenn sie zur Bedeutung nichts beitragen (oder sie sogar unerwünscht verändern). Drücken die „Füllwörter“ etwas aus, was ich mitteilen will, lasse ich sie drin.

      Letztendlich muss mein Stil zu meinem Publikum und zum Ziel des Textes passen – tut er das, ist alles ok.

    2. Hallo Marcel,

      OK, mit diesen ergänzenden Informationen sind wir uns in Punkt 6 absolut einig 🙂

      BG, Eddy

    3. Marcel Schreyer

      Habe deinen Kommentar zum Anlass genommen, den Punkt 6 zu überarbeiten. Danke dir nochmals!

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