Welches Honorar kannst, darfst und willst du als freier Texter verlangen? Wie berechnest du deinen Stundensatz?

Das sind zwei der Fragen, die sich frisch gebackene Freelance-Texter stellen. Deshalb liefere ich dir in diesem Artikel ausführliche Antworten darauf.

Ich zeige dir drei mögliche Wege, wie du deinen Stundensatz (oder Tagessatz) kalkulieren kannst. Alle drei sind wichtig und richtig.

Also, öffne eine Google-Tabelle oder nimm dir Stift und Papier: wir legen los! Eine Vorlage findest du weiter unten.

Brauchst du einen Stundensatz?

Die Bezahlung pro Stunde ist nur eine Möglichkeit, wie du dich als Texter bezahlen lassen kannst. Ich empfehle grundsätzlich, mit Kunden Pauschalhonorare zu vereinbaren – warum, dazu später mehr. Viele Texter werden pro Wort oder Seite bezahlt – davon halte ich überhaupt nichts.

Selbst wenn du nicht nach Stundensatz abrechnest, solltest du ihn für dich selbst berechnen. Warum?

Besonders zu Beginn deiner Selbstständigkeit ist dein Stundensatz ein guter Ausgangspunkt, um deine Preise festzulegen. Außerdem hilft er dir, zu entscheiden, welche Jobs du annimmst und welche lieber nicht.

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Zwei Beispiele:

Du berechnest deinem Kunden für einen Text 180 Euro: 3 Stunden für je 60 Euro. Mit Akquise, Vorgespräch und Korrekturen benötigst du jedoch insgesamt 5 Stunden. Dein effektiver Stundensatz sinkt dadurch auf 36 Euro – kannst du davon leben?

Ein Auftraggeber zahlt dir 500 Euro für einen Text, der dir leicht fällt. Du wirst dafür rund einen Tag brauchen: Das ergibt einen Stundensatz von 62,50 Euro. Für einen anderen Job würdest du 1.000 Euro bekommen, brauchst dafür aber wahrscheinlich drei Tage: Das macht einen Stundensatz von 41,67 Euro. Du hast keine Zeit für beide Aufträge: Welchen nimmst du an?

Du siehst: Wenn du deinen Stundensatz kennst oder deinen Umsatz pro Stunde berechnen kannst, wirst du bessere Entscheidungen treffen.

Auf welche drei Arten kannst du deinen Stundensatz berechnen?

Die drei Stufen der Stundensatz-Kalkulation

  1. Mindest-Stundensatz anhand der privaten und beruflichen Kosten berechnen
  2. Wunsch-Stundensatz anhand des Zielumsatzes berechnen
  3. Maximal-Stundensatz anhand deines Marktwerts ermitteln

Deinen Mindest-Stundensatz auf Basis deiner Kosten berechnen

Am Anfang kannst du als freier Texter noch keine großen Sprünge machen – du bist schon froh, wenn du alle deine Rechnungen von deinem Honorar bezahlen kannst.

Glaube mir, ich weiß, wovon ich spreche!

Deshalb solltest du als Erstes die Frage beantworten: Was musst du mindestens pro Stunde verdienen, damit dir nicht der Strom abgestellt wird und du halbwegs komfortabel von deinem Freelance-Job leben kannst?

Das kannst du ausrechnen; es ist nicht schwierig, aber nimm dir etwas Zeit dafür und kalkuliere sorgfältig. Ich führe dich Schritt für Schritt durch die Berechnung:

Hier habe ich eine kostenlose Vorlage zur Stundensatzkalkulation für dich erstellt; du musst nur deine eigenen Zahlen eintragen.

Essen, Wohnen, Auto: Zuerst musst du deine privaten Kosten decken. Liste alles auf, wofür du Geld ausgibst. Schaue ich die Umsatzliste deines Online-Banking oder führe eine Weile über deine Ausgaben Buch, damit du nichts vergisst.

Typische private Kosten sind:

  • Lebensmittel, Körperpflege, Haushaltsbedarf
  • Miete, Nebenkosten, Telefon
  • Auto und Verkehr
  • Freizeit, Unterhaltung, Shopping

Denke auch an Versicherungen und Sparen:

  • Sozialversicherung (Kranken-, Pflege-, Rentenversicherung
  • Private Altersvorsorge, Sparpläne
  • Sonstige Versicherungen

Für Urlaube, größere Anschaffungen oder als eiserne Reserve solltest du pro Monat zusätzlich etwas zurücklegen.

Vergiss Kleinigkeiten wie den GEZ-Beitrag oder deinen täglichen Starbucks-Kaffee nicht: sie summieren sich mit der Zeit.

Fangen wir eine Beispielrechnung an, für einen 2-Personen-Haushalt:

Private Kosten pro Monat
Lebensmittel, Haushalt600 €
Miete und Nebenkosten900 €
Sozialversicherungen500 €
Sonstige Versicherungen50 €
Altersvorsorge300 €
Freizeit, Shopping200 €
Auto, Verkehr200 €
Sparen für den Urlaub100 €
Sparen für Rücklagen100 €
Sonstiges200 €
Summe3.150 €

Als Nächstes listet du auf, welche Kosten du für deine Tätigkeit als Texter hast. Wenn du aus dem Homeoffice arbeitest, sind die wahrscheinlich nicht besonders hoch:

Du brauchst einen Computer, etwas Software, Telefon und Internet. Damit solltest du auskommen. Plane jedoch von vornherein extra Budget ein, zum Beispiel um dir Bücher oder einen Online-Kurs zu kaufen, oder wenn du in einem Jahr ein neues Laptop anschaffen musst.

Weiter mit der Beispielrechnung:

Berufliche Kosten
Bürobedarf: Software, Telefon, etc.100 €
Sparen für neues Laptop50 €
Budget für Weiterbildung100 €
Summe250 €

Wenn du ein Büro mietest oder deine Buchhaltung durch einen Steuerberater erledigen lässt, kommen natürlich höhere Kosten zusammen.

Rechne deine privaten und beruflichen Kosten zusammen, und du hast deine Gesamtkosten:

Gesamtkosten pro Monat (private + berufliche Kosten)3.400 €

Einen wichtigen Kostenblock darfst du nicht vergessen: Steuern! Die wird das Finanzamt deines Vertrauens einfordern und du solltest den Betrag besser parat haben.

Die Höhe deiner Steuerzahlung hängt stark von deinen persönlichen Verhältnissen ab. Grundsätzlich rate ich dazu, lieber großzügigere Rücklagen zu bilden.

Rücklagen für Steuern pro Monat500 €

Mit allen Kosten und Steuern kämen wir in unserem Beispiel auf einen Bedarf von:

Benötigter Umsatz pro Monat (Kosten + Steuern)3.900 €
Benötigter Umsatz pro Jahr (Monatsumsatz * 12)46.800 €

Das sieht erst einmal nach einem riesigen Umsatz aus, vor allem, wenn du aus einem Angestelltenverhältnis kommst. Mache nicht den Fehler, deinen Umsatz mit einem Netto-Gehalt zu vergleichen: Du zahlst Versicherungen und Vorsorge allein, bekommst kein Arbeitslosengeld und musst dein gesamtes Risiko selbst tragen.

Außerdem bekommst du keinen bezahlten Urlaub und keine Lohnfortzahlung im Krankheitsfall. Gutes Stichwort: Natürlich möchtest du ein wenig Urlaub und wirst krank sein. In dieser Zeit wirst du nichts verdienen.

Wenn du vier Wochen Urlaub im Jahr planst und erfahrungsgemäß zwei Wochen krank sein wirst, bleiben dir noch 10,5 Monate im Jahr, an denen du arbeitest. Deshalb musst du deinen benötigten Jahresumsatz in diesen 10,5 Monaten erzielen.

Rechnen wir den Jahresumsatz von oben auf 10.5 Monate um, bekommen wir unseren benötigten Umsatz pro Monat:

Benötiger Umsatz pro Arbeitsmonat (Jahresumsatz / 10,5)4.457 €

Ein Monat hat rund 4,3 Wochen; bei einer 40-Stunden-Woche sind das 172 Stunden. Jedoch wirst du nicht 100 Prozent deiner Arbeitszeit mit bezahlter Arbeit verbringen.

Du brauchst Zeit für Verwaltung, Marketing, Kundenakquise – oder in manchen Wochen hast du schlicht keine Aufträge. Außerdem kannst du nicht fünf Tage pro Woche acht Stunden am Tag schreiben; dafür reicht die Konzentration einfach nicht aus.

Wenn du in der Anfangszeit mit 50 Prozent Auslastung rechnest, ist das ein realistischer Wert. Das heißt, du verbringst Montag bis Freitag jeweils den halben Tag mit einem bezahlten Auftrag.

Anzahl Arbeitsstunden pro Monat (40-Stunden-Woche)172 Stunden
Auslastung50 %
Abrechenbare Stunden pro Monat86 Stunden

In unserer Beispielrechnung kannst du also pro Monat 86 Stunden abrechnen.

Welchen Stundensatz musst du dafür deinen Kunden berechnen oder als Grundlage für deine Preisgestaltung ansetzen?

Rechnen wir nach:

Benötiger Umsatz pro Monat4.457 €
Geteilt durch die abrechenbaren Stunden86 Stunden
Benötigter Mindeststundensatz (Umsatz / Stunden)51,83 €

In diesem Beispielfall käme als ein Mindeststundensatz von gut 50 Euro heraus.

Sieh dir noch einmal die gesamte Rechnung zum Verständnis an:

Beispiel-Kalkulation: Mindest-Stundensatz für freie Texter

Für dich kann die Rechnung natürlich ganz anders aussehen. Bitte setze dich hin und kalkuliere deinen Mindeststundensatz anhand deiner persönlichen Situation.

Über 4.000 Euro Umsatz pro Monat klingt für den Anfang hoch; schon 2.000 oder 3.000 Euro sind für den einen oder anderen eine Furcht einflößende Summe, wenn du dich mit kleinen Aufträgen über Wasser halten musst.

Ist es schlimm, wenn du zu Beginn nicht auf den benötigten Umsatz kommst oder für einen geringeren Stundensatz arbeitest?

Nicht unbedingt. Eventuell kannst du eine Zeit lang von deinen Ersparnissen leben, du kannst bescheiden leben und deine Ausgaben kürzen oder du hast einen berufstätigen Partner, von dessen Gehalt ihr leben könnt.

Es ist nicht schlimm, klein anzufangen und sich dann zu steigern.

Wichtig ist jedoch, dass du nicht diesen Fehler machst:

Der errechnete Mindeststundensatz ist das absolute Minumum – nicht dein Ziel!

Rechne ihn nicht durch „Tricks“ klein, um deine niedrigen Preise vor dir selbst zu rechtfertigen; zum Beispiel, indem du deine Ausgaben sehr niedrig ansetzt oder das Einkommen deines Partners mit einkalkulierst.

Warum nicht? Aus zwei Gründen:

Erstens:

Du möchtest auf lange Sicht nicht nur geradeso deine Rechnungen bezahlen. Du möchtest gutes Geld verdienen, dir mal etwas gönnen können, in dein Geschäft investieren und genügend Rücklagen für schlechte Zeiten anlegen. All das ist in der Kalkulation oben noch nicht berücksichtigt.

Zweitens:

Dein realer Stundensatz wird weit niedriger liegen als der errechnete. Wenn du wie in unserem Beispiel 20 Stunden pro Woche (50 Prozent) abrechnen kannst, aber insgesamt 40 Stunden arbeitest, musst du deinen Umsatz auf deine gesamte Arbeitszeit umrechnen.

Das heißt, dein realer Stundensatz reduziert sich auf die Hälfte, weil du praktisch die Hälfte deiner Zeit unbezahlt arbeitest. Aus einem – noch ganz anständigen – Stundensatz von 52 Euro werden auf einmal 26 Euro!

Die Rechnung dazu sieht so aus:

Abgerechneter Stundensatz52,00 €
Abgerechnete Wochenstunden20 Stunden
Wochenumsatz (Abgerechnete Stunden * Stundensatz)1.040 €
Insgesamt gearbeitete Wochenstunden40 Stunden
Effektiver Stundensatz (Wochenumsatz / gearbeitete Stunden)26,00 €

Damit liegst du bereits in der Nähe eines Stundenlohnes, den ein angestellter Facharbeiter verdient; gleichzeitig hast du viel höhere Kosten und Risiken. Für dieses Geld lohnt es sich langfristig nicht, selbstständig zu arbeiten.

Ich wiederhole mich: Diese Kalkulation hilft dir, die Untergrenze deines Stundensatzes zu bestimmen oder zu errechnen, ab wann dein Job als freier Texter profitabel wird.

Jetzt möchtest du wissen, wie du deine Preise für Kunden kalkulierst: Also welchen Stundensatz du verlangen oder als Basis für dein Pauschalhonorar verwenden kannst.

Dabei helfen dir die beiden folgenden Methoden:

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Wunsch-Stundensatz anhand des Zielumsatzes berechnen

Wie gesagt, du möchtest als Texter mehr als nur deine Rechnungen bezahlen können. Du willst dir etwas aufbauen, Rücklagen ansparen, vielleicht eine Zusatzausbildung machen – und letztendlich finanziell für deine harte Arbeit und dein Risiko entschädigt werden.

Dafür muss dein Umsatz deutlich höher sein als das Bruttogehalt eines Angestellten – weil auch deine Kosten und Abzüge deutlich höher sind. Du hast höhere Ausgaben für Versicherungen, musst deine Betriebskosten bezahlen.

Das wichtigste ist: Du musst Urlaube, Krankheiten und Auftragsflauten finanziell selbst überbrücken können – während diesen Zeiten verdienst du nichts!

Sagen wir einfach, du möchtest pro Monat einen Umsatz von 5.000 Euro erzielen, damit dir am Ende 2.000 bis 3.000 Euro zum Leben bleiben.

Das ist noch nicht furchtbar viel, aber ein komfortables Einkommen. 5.000 Euro pro Monat klingt ziemlich gut, wenn du vorher einen „normalen“ Job hattest.

Welchen Stundensatz brauchst du, um auf diesen monatlichen Umsatz zu kommen?

Kalkulieren wir deinen Stundensatz erneut mit der oben beschriebenen Methode.

Auch diese Berechnung kannst du in der kostenlosen Vorlage zur Stundensatzkalkulation durchführen.

Auf gehts: Diesen Umsatz wünschst du dir:

Gewünschter Umsatz pro Monat5.000 €
Gewünschter Umsatz pro Jahr (Monatsumsatz * 12)60.000 €

Wir gehen weiterhin von 4 Wochen Urlaub und 2 Wochen Krankheit aus; bleiben also 10,5 Monate Arbeitszeit im Jahr.

In dieser Zeit muss du deinen Jahresumsatz erwirtschaften:

Benötiger Umsatz pro Arbeitsmonat (Jahresumsatz / 10,5)5.714 €

Weil du dich nach der Anfangszeit steigern und mehr Kunden gewinnen konntest, schaffst du eine Auslastung von 60 Prozent. Super!

Wie viele Stunden kannst du pro Monat abrechnen?

Anzahl Arbeitsstunden pro Monat172
Auslastung60 %
Abrechenbare Stunden pro Monat103,2

Wir sind kurz vor dem Ziel! Welchen Stundensatz brauchst

Benötiger Umsatz pro Monat5.714 €
Geteilt durch die abrechenbaren Stunden103 Stunden
Benötigter Mindeststundensatz (Umsatz / Stunden)55,37 €

Auch hier noch mal die komplette Rechnung im Überblick:

Um deinen Wunsch-Umsatz zu erzielen, brauchst du in unserem Beispiel einen Stundensatz von rund 55 Euro.

Äh, what….?!

Der liegt ja nur 3 Euro über dem errechneten Mindest-Stundensatz.

Kann das wirklich sein – liegen „Überleben” und „Wunschtraum” so nah beieinander?

Ich habe dieses Beispiel bewusst so gewählt, um dir zwei Dinge vor Augen zu führen:

Erstens:

Im zweiten Beispiel konntest du deine Auslastung um 10 Prozentpunkte steigern. Das macht viel aus. Wenn du mehr Aufträge hast, kannst du niedrige Preise leicht kompensieren. Bis zu einem gewissen Grad ist das in Ordnung.

(Bleibt deine Auslastung im Beispiel bei 50 Prozent, liegt der erforderliche Stundensatz bereits bei gut 66 Euro.)

Mehr Aufträge heißt auch: mehr Druck, mehr Stress – und während Urlaub oder Krankheit kommt weiterhin nichts rein. Kein tragfähiges Geschäftsmodell für deine Zukunft als freier Texter.

Denn dein effektiver Stundensatz ist weiterhin lächerlich niedrig:

Abgerechneter Stundensatz56,00 €
Abgerechnete Wochenstunden24 Stunden
Wochenumsatz (Abgerechnete Stunden * Stundensatz)1.344 €
Insgesamt gearbeitete Wochenstunden40 Stunden
Effektiver Stundensatz (Wochenumsatz / gearbeitete Stunden)33,60 €

Pro Arbeitsstunde verdienst du sozusagen brutto knapp 34 Euro, wenn du deine gesamte Arbeitszeit berücksichtigst.

Für den Anfang bist du damit vielleicht glücklich. Doch wenn du ein wenig Erfahrung gesammelt und dich zu einem Experten entwickelst hast, ist diese Summe nicht im Ansatz eine faires Honorar für dich.

Daraus ergibt sich die zweite Erkenntnis:

Warum du deinen Stundensatz nicht nur mit den ersten beiden Methoden kalkulieren solltest

Zu Beginn solltest du deine Kosten und deinen Bedarf kennen und für dich selbst wissen, wo deine Schmerzgrenze liegt. Doch darüber hinaus spielen diese Berechnungen eine untergeordnete Rolle.

Es ist keine gute Idee, deinen Stundensatz und deine tatsächlichen Preise rein auf Basis deiner Kosten oder deiner Situation zu errechnen.

Das würde nämlich bedeuten, dass jemand, der gern ein einfaches Leben führt, niedrigere Preise verlangen sollte als jemand, der auf großem Fuß lebt. Oder dass ein freier Texter aus Leipzig niedrigere Honorare fordern sollte als ein Texter aus München, wegen der unterschiedlichen Lebenshaltungskosten.

Es würde auch bedeuten, dass du deine Preise über die Zeit nicht erhöhst, weil du mit deinen aktuellen Umsätzen ganz gut über die Runden kommst und alle Rechnungen bezahlen kannst.

Nun ist es so, dass Kunden dich nicht bezahlen, weil du das Geld brauchst. Sie wollen ein Ergebnis und bezahlen für dieses Ergebnis – die persönliche Situation des Texters dabei zählt nicht.

Sobald du deinen Mindest- oder Wunsch-Stundensatz erreichst, solltest du deine Preise deshalb anders kalkulieren.

Du fragst nicht mehr: Was muss oder möchte ich verdienen?

Du veränderst deine Perspektive und denkst vom Kunden her: Welchen Wert bringe ich dem Kunden und was ist er bereit, dafür zu bezahlen?

Maximal-Stundensatz anhand deines Marktwerts ermitteln

Obwohl du als Freelance-Texter streng genommen kein Unternehmer bist, solltest du unternehmerisch denken.

Deshalb meine Empfehlung: Du solltest immer das maximale Honorar, den maximalen Stundensatz verlangen, der für dich aktuell am Markt möglich ist.

Wirklich? Ist das nicht gierig?

Nein.

So funktioniert Wirtschaft.

Ein Beispiel: Apple produzierte ein iPhone X für rund 370 USD. Nun sagt Apple aber nicht: Wir verkaufen das iPhone X für 500 USD, davon können wir gut leben. Nein, sie verkaufte es für 800 oder 900 USD oder mehr.

Warum: Weil sie es kann! Weil die Menschen bereit sind, so viel dafür zu bezahlen.

Kannst du dich als Texter wirklich damit vergleichen? In diesem Punkt: ja. Für dich trifft dieses Prinzip des maximal erzielbaren Preisen sogar noch mehr zu als für Apple.

Denn wenn Apple das iPhone X für 500 USD verkauft hätte, hätte sie sicher deutlich mehr davon verkauft und so den niedrigen Preis zumindest teilweise ausgeglichen.

Doch du hast nur 40 Stunden pro Woche und kannst jede Stunde nur einmal verkaufen. Deshalb solltest du umso mehr darauf achten so hohe Preise wie möglich für deine Zeit zu verlangen.

Gehe so hoch wie möglich, solange du Kunden findest, die bereit sind, dir dieses Honorar zu bezahlen.

Aber wie hoch ist das jetzt? Wenn du das schon genau wüsstest, wärst du ja nicht auf dieser Seite gelandet…

Marktübliche Stundensätze für freie Texter

Es ist hilfreich, typische Marktpreise als Ausgangspunkt zu kennen. Welches Texter-Honorar zahlen Kunden üblicherweise? Was ist ein angemessener Stundensatz?

Durchschnittliche Stundensätze von freien Textern:

ErfahrungMarktüblicher Stundensatz
Anfänger mit wenig Erfahrung30-60 Euro
Etablierte Texter, mit einigen Jahren Erfahrung60-80 Euro
Etablierte Texter, mit einigen Jahren Erfahrung, mit Spezialkenntnissen80-100 Euro
Profi-Texter, mit langer Erfahrung und Spezialisierung100-150 Euro

Bitte beachte: Das ist nur eine grobe Einteilung. Ausnahmen bestätigen die Regel.

Wenn du zum Beispiel als freier Texter neu anfängst, aber schon spezielle Erfahrungen aus anderen Jobs hast, oder dir schon ein Netzwerk an potenziellen Kunden aufgebaut hast, kannst du deutlich höher einsteigen.

Andersherum wirst du deinen Stundensatz mit der Zeit nicht automatisch steigern können, wenn du deine Leistung schlecht verkaufst oder die falschen Kunden ansprichst.

Werden wir konkret:

Ein Stundensatz von 50 bis 60 Euro ist ein guter Einstieg und absolut realistisch – vorausgesetzt, du lieferst gute Arbeit ab und hast ein paar kleine Referenzen, mit denen du Interessenten überzeugen kannst.

Bist du dir zu Beginn noch unsicher, was du kannst, und möchtest du erst einmal üben und Erfahrung sammeln, kannst du durchaus mit einem Stundensatz von 30 oder 40 Euro starten.

Sieh das jedoch als Übergangsphase und versuche so schnell wie möglich, auf ein professionelles Preisniveau zu kommen – das solltest du dir wert sein!

Der Preisbereich von 60 bis 80 Euro ist die “Komfortzone“ der freien Texter:

Wenn du gut bist, kannst du sie sehr schnell erreichen. Doch wenn du dich nicht besonders aus der Masse hervorhebst, wirst du sie kaum wieder verlassen. Viele Texter schaffen es ihr ganzes Berufsleben lang nicht, diese Grenze zu knacken.

So erreichst du überdurchschnittliche Honorare

Um in höhere Preiskategorien vorzustoßen, musst du dir Spezialkenntnisse aneignen:

Das können fachliche Kenntnisse sein: zum Beispiel kannst du dich darauf spezialisieren, Texte für wettbewerbsintensive Suchbegriffe zu optimieren (SEO) oder E-Mail-Texte zu schreiben, mit denen dein Kunde möglichst viele Produkte verkauft.

Du könntest dich thematisch spezialisieren und Fachtexter für ein technisches Thema oder eine bestimmte Branche werden.

In einem Texter-Coaching kannst du dir bestimmte Fähigkeiten antrainieren oder lernen, wie du erfolgreiche Akquise betreibst.

Je besser du in einem Bereich bist und je seltener deine Spezialkenntnisse sind, desto höher kannst du deine Preise schrauben.

Als ausgewiesener Experte für ein Fachgebiet, der seine Erfolge durch Referenzen nachweisen kann, sind dir nach oben hin kaum keine Grenzen gesetzt.

Stundensätze von 100 bis 150 Euro und darüber sind locker möglich.

Selbst wenn deine Auslastung weiter nur bei 50 Prozent läge, kämst du auf einen anständigen effektiven Stundensatz:

Abgerechneter Stundensatz120,00 €
Abgerechnete Wochenstunden20 Stunden
Wochenumsatz (Abgerechnete Stunden * Stundensatz)2.400 €
Insgesamt gearbeitete Wochenstunden40 Stunden
Effektiver Stundensatz (Wochenumsatz / gearbeitete Stunden)50,00 €

50 Euro pro Stunde oder rund 10.000 Euro im Monat für einen Job mit 40 Wochenstunden: Da kann man sich nicht beschweren!

Werde ein gefragter Experten-Texter, der hohe Preise verlangen kann: Erfahre mehr über mein Texter-Coaching.

Warum Pauschalpreise besser sind als Stundensätze

Bei solchen Expertenjobs wird selten nach Stundensatz abgerechnet – das mache ich auch nicht. Ich kalkuliere einen Pauschalpreis für meine Kunden, auf Basis eines Briefings oder einer Projektbeschreibung.

Da ich mich auf ein Gebiet spezialisiert und viel Erfahrung habe, bin ich ziemlich effizient und schnell. Da ich dadurch in kurzer Zeit top Ergebnisse produzieren kann, ergibt sich effektiv für mich ein so hoher Stundensatz.

Würde ich nach Stunden abrechnen, würde ich mir selbst schaden, wenn ich besser und schneller arbeite: Ich würde weniger verdienen. Oder ich müsste ständig meine Stundensätze erhöhen: Das würde die Kunden auch nicht lange mitmachen.

Preise individuell für Kunden festlegen

Welche Honorare du als Texter verlangen kannst, hängt ebenso sehr von einzelnen Kunden ab.

Ein finanzstarkes Unternehmen, das hohe Wachstumsziele hat, wird eher in hochwertigen Content investieren, als ein Unternehmen, das gerade zu kämpfen hat. Ein Anbieter, der Dienstleistungen für tausende Euros anbietet, wird eher in hochwertigen Content investieren, als ein Anbieter der 5-Euro-Produkte verkauft.

Deshalb empfehle ich, deinen Stundensatz oder deine Preise nicht 100 Prozent fix festzulegen, sondern abhängig vom Kunden zu gestalten.

Lerne deine Kunden, ihre Geschäftsmodelle, ihre Budgets und Kostenstrukturen kennen. Mit der Zeit wirst du verstehen, welchen Wert deine Texte für sie haben. Du lernst, ungefähr einzuschätzen, was sie für einen Text ausgeben können und möchten.

Welche Preise du zurzeit – mit deinen Erfahrungen und Fähigkeiten – maximal verlangen kannst, bekommst du nur heraus, indem du es austestest:

Sei selbstbewusst in Verkaufsgesprächen und präsentiere dich als Experte. Dann biete Preise an, bei denen du einen Stundensatz zugrunde legst, der 10 bis 20 Prozent über deinen jetzigen liegt.

Das ist mutig, aber nicht unverschämt.

Wenn der Interessent wirklich mit dir arbeiten will, aber die Preise nicht bezahlen kann oder möchte, hast du Spielraum für Verhandlungen. Lege dir im Voraus eine gute Strategie parat, wie du die 10 bis 20 Prozent „Preisnachlass“ begründen kannst.

Wenn du das ein paar Mal machst, wirst du recht schnell erkennen, wo aktuell dein maximaler Marktpreis liegt.

Letzte Worte

Sicherlich bist du Texter geworden, weil du Spaß daran hast und der Welt etwas mitteilen möchtest. Geld allein ist nicht dein Triebfeder – so ist es zumindest bei mir.

Trotzdem muss jede selbstständige Tätigkeit, ob als Texter oder anderer Freelancer, auf einem soliden finanziellen Fundament stehen. Du möchtest langfristig erfolgreich sein, alle deine Kosten decken und darüber hinaus ein angenehmes Leben führen.

Stelle zu Beginn eine saubere Kalkulation auf: Berechne deine Kosten und plane mit einem Stundensatz, mit dem du die Anfangszeit überleben kannst.

Sobald du darüber hinaus bist, arbeite hart an dir, entwickle dich weiter, verkaufe dich gut. Dann wirst du nach und nach deine Stundensätze erhöhen und Honorare verdienen können, die deiner Erfahrung und deinem Wert für deine Kunden entsprechen.

Hast du noch Fragen? Fehlt dir ein Punkt in diesem Artikel? Oder möchtest du deine Erfahrungen mit uns teilen? Bitte schreibe einen Kommentar – ich antworte garantiert!

7 Kommentare zu „Texter-Honorar: So berechnest du deinen Stundensatz als freier Texter“

    1. Marcel Schreyer

      Das freut mich, lieber Andreas! Viel Erfolg für deine Selbstständigkeit. Wir sehen uns! 😉

  1. Den Stundensatz zu berechnen ist eine Sache – die Theorie. Doch in der Praxis muss man auch darauf achten, in welch einem Umfeld man sich bewegt. Gerade der Bereich Content-Erstellung ist sehr preissensibel. Oder anders gesagt: der Markt wird durch Preisdumping durch Agenturen wie Textbroker und Content.de kaputt gemacht. Da kriegen die armen Texter läppische 0,01 Euro pro Wort, also am Ende 30 Euro für 3-4 Arbeit. Ein Stundensatz weit unter Mindestlohn.

    Das ist natürlich nichts, worauf man sich als Selbstständiger einlassen sollte. Trotzdem ist der Marktdruck da. Deswegen ist es ratsam – wie du in einem anderen Blogbeitrag beschrieben hast – sich eine Spezialisierung zuzulegen. Damit man dafür Aufträge kriegt, muss man viel Zeit in Marketing stecken (mehrere Jahre!) – was somit den Stundensatz auch wieder drückt.

    Was man ebenso nie vergessen sollte: Flexibilität! Ich kenne viele Freelancer, die beharren auf ihren Stundensatz. Dadurch gehen ihnen einige Aufträge flöten, sie nehmen zu wenig ein und stehen damit noch mehr unter Druck ihren Stundensatz zu verteidigen.
    Besser ist es – so meine Strategie – dem Kunden entgegen zu kommen, ohne ins Preisdumping zu tappen. Dann nimmt man vielleicht 50 statt 60€ pro Stunde, hat aber dadurch einen Großauftrag oder einen dauerhaft buchenden Kunden gewonnen. Das ist unterm Strich lohnenswerter. Ein zufriedener Bestandskunde, der „blind“ weiter bucht, auch mal Sonderaufträge hat, ist immer wertvoller als der tägliche Kampf um Neukunden!

    1. Marcel Schreyer

      Herzlichen Dank, Jürgen, für deinen ausführlichen Kommentar.

      Ich stimme dir in allen Punkten zu. Ja, es ist erst einmal Theorie – die sollte man beherrschen. Ich finde es wichtig, alles mal durchzurechnen und ehrlich zu sich zu sein. Jede ernsthafte Selbstständigkeit muss auf einem soliden finanziellen Fundament stehen. Wenn ich nicht den Ehrgeiz und Willen habe, mir als Texter meinen Lebensunterhalt + X zu verdienen, betreibe ich bestenfalls ein Hobby.

      Für mich ist der Stundensatz eher eine interne, kalkulatorische Größe, die mir bei der Preiskalkulation hilft. Wie du sagst, muss ich immer den Markt und den Kunden bei meinen Preisen berücksichtigen; das habe ich ja beschrieben.

      Und natürlich, wer hoch hinaus will, muss sein Business über lange Zeit strategisch aufbauen, Zeit und Geld investieren. Lohnt sich aber!

  2. Lieber Marcel,
    dein Beitrag ist sehr hilfreich und hat mir einen ersten Einblick in die Preiskalkulation gegeben.
    Ich möchte mich gern nebenberuflich als Texterin etablieren, daher meine Frage: inwieweit macht es dabei Sinn, eher mit Pauschalpreisen statt Stundensätzen zu arbeiten und wie lege ich bei der Berechnung am besten los?
    Liebe Grüße und eine produktive Woche,
    Alexandra

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