55 Prozent aller Online-Nutzer verbringen weniger als 15 Sekunden auf einer Webseite. Die durchschnittliche Besuchszeit beträgt weniger als eine Minute.

Du bloggst nicht zum Spaß, sondern verbindest handfeste Marketing- und Vertriebsziele damit. Doch wie willst du deine Botschaften verbreiten, vielleicht sogar neue Kunden gewinnen, wenn deine Webseitenbesucher schon nach Sekunden wieder abspringen?

Vorausgesetzt, deine Inhalte sind großartig: Wenn du ein paar Regeln beachtest, wie du deinen Blog-Artikel schreiben und aufbauen solltest, wirst du deine Leser lange auf der Seite halten können.

Und mit jeder Sekunde, die sie länger dableiben, steigen deine Chancen, sie zu einer Aktion zu bewegen.

Bevor ich dir meine Tipps verrate, solltest du den Grund verstehen, warum die meisten Besucher so schnell wieder umkehren.

So lange bleiben Nutzer auf einer Webseite

Niemand liest Texte

Fast niemand wird deine Webseiten-Texte als Ganzes lesen vom ersten bis zum letzten Wort.

Finde dich damit ab.

Studien zeigen, dass Nutzer Texte im Internet nicht lesen, sondern überfliegen.

Sie „scannen” eine Seite mit den Augen und picken einzelne Worte oder Sätze heraus. Bleiben sie an einer Stelle hängen, weil sie dort nützliche Informationen vermuten, lesen ein Stück. Wenn sie nirgendwo hängen bleiben, versuchen sie es bei der nächsten Webseite.

Deine Webseiten-Besucher möchten keine Texte lesen. (Du bist ja nicht ZEIT Online oder die FAZ.) Sie suchen nach einer Antwort auf eine Frage, einer Lösung für ein Problem oder schlicht nach einem Produkt.

Sie treffen schnelle Entscheidungen aus dem Bauch heraus, ohne nachzudenken.

Jakob Nielsen verglich Online-Nutzer auf Informationssuche mit wilden Tieren.

Keine Pointe.

Riecht ein Raubtier eine Chance auf Beute, wägt es unterbewusst seine Chancen ab:

Lohnt sich der Aufwand? Wird das eine leckere Mahlzeit? Stehen meine Chancen gut oder gehe ich unnötige Risiken ein?

Hat es den geringsten Zweifel, wartet es auf die nächste, bessere Gelegenheit.

Menschen sind faul. Sie möchten maximalen Nutzen bei minimalem Aufwand.

Lange Texte zu lesen, um Antworten zu bekommen, entspricht schlicht und einfach nicht den Nutzungsgewohnheiten des durchschnittlichen Online-Nutzers.

Je eher du diese Erkenntnis verinnerlicht hast, desto besser werden deine Blog-Artikel.

Gestalte deine Artikel so, dass

  • die Aufmerksamkeit des Lesers innerhalb weniger Sekunden gefesselt wird
  • und er bereits durch Überfliegen des Artikels erkennt, wie wertvoll und nützlich er für ihn ist.

Mit diesen Tipps schaffst du das:

1. Baue Texte als umgekehrte Pyramide auf

Strukturiere deinen Text nach dem Prinzip der umgekehrten Pyramide – oder anders ausgedrückt von breit nach schmal.

Wie sieht dieses Prinzip aus?

Beginne mit der wichtigsten Botschaft, den wesentlichen Fakten, einem Überblick über das Thema („breit”) und gehe erst nach und nach ins Detail („schmal”).

Das Prinzip der umgekehrten Pyramide für Blog-Artikel

Bei einem Blogartikel solltest du den Inhalt zu Beginn in wenigen Sätzen zusammenfassen und den Nutzen des Artikels für den Leser herausstellen.

Danach gehst du auf die Hauptpunkte ein. Im Laufe des Artikels gehst du weiter in Details und erklärst auch Nebengedanken, die wahrscheinlich nur einen Teil der Leser interessieren.

Es ist vielleicht verlockend, einen Text mit einer schönen Geschichte zu beginnen. Besonders, wenn du gerne schreibst.

Fängst du den Text aber mit weniger wichtigen Details oder einer langen Vorrede an, springt dir ein großer Teil der Leser sofort wieder ab.

Sie sind unsicher, ob ihre wesentlichen Fragen in deinem Text später noch beantwortet werden und suchen lieber nach einer anderen Webseite, die es ihnen leichter macht.

Schreibe zuerst eine Gliederung

Du hast eine Idee für einen Blog-Artikel, hast tausend Gedanken dazu und viele Informationen recherchiert.

Fange jetzt auf keinen Fall sofort mit dem Schreiben an!

Die Gefahr ist groß, dass der Artikel unübersichtlich und überladen wird.

Schreibe alle Punkte auf, die du verwenden möchtest. Gliedere sie in Haupt- und Unterpunkte und bringe sie in eine sinnvolle, logische Reihenfolge.

Überlege, welche Gedanken du weglassen kannst und wo noch Lücken sind, die du füllen musst.

Wenn du selbst keine klare Vorstellung vom Thema hast, wie willst du deinen Lesern diese vermitteln?

2. Formuliere eine knackige Überschrift

Die Überschrift ist das Erste, was jeder Besucher von deinem Artikel zu sehen bekommt.

Sie muss für sich allein sprechen. In Suchmaschinen oder sozialen Netzwerken entscheidet die Überschrift darüber, wie viele Klicks du bekommst.

Laut Quicksprout lesen 8 von 10 Nutzern eine Überschrift, aber nur 2 den ganzen Rest des Textes.

Verstehst du nun, wie wichtig deine Überschrift ist?

Gehe nicht über die Überschrift hinweg! Nimm dir Zeit, sie zu texten und probiere verschiedene Varianten aus.

Überschriften zu formulieren ist eine Wissenschaft für sich.

Einige Faustregeln sind:

  • Erwähne das Problem und die Lösung.
  • Halte die Überschrift trotzdem kurz und knackig.
  • Verwende starke Verben.
  • Verwende interessante Adjektive.
  • Verwende negative Begriffe.
  • Baue eine Zahl ein.
  • Wecke Neugier.

Auf Hubspot findest du 13 Typen an Überschriften, die dir mehr Klicks bringen (auf Englisch).

Übrigens, ich texte die Überschrift meistens zum Schluss, sozusagen als Sahnehäubchen auf einem großartigen Artikel.

3. Wecke Interesse mit einer kurzen Einleitung

Nach der Überschrift müssen die einleitenden Sätze deinen Leser fesseln.

Du musst dein vollmundiges Versprechen aus der Überschrift in der Einleitung einlösen.

Wie schaffst du das?

Ködere den Leser mit klaren Aussagen, was ihm der Text für einen Nutzen bietet und warum er unbedingt weiterlesen muss.

Mache ihm deutlich, wie er von deinem Text profitieren wird, wie er durch die Tipps erfolgreicher wird, Geld oder Zeit sparen kann.

Wecke Neugier: Erwähne zum Beispiel einen ungewöhnlichen Aspekt, den du später im Text erklären wirst.

Verwende kurze, prägnante Sätze, damit dein Besucher deine Botschaft sofort erfassen kann.

Baue ein Szenario auf, das sich der Leser vorstellen kann, statt nur Fakten aneinander zu reihen.

4. Verwende sehr kurze Absätze

Lange Textwüsten sehen nicht nur unattraktiv aus, sie sind schwer zu lesen.

Wie erwähnt, wollen Online-Leser in der Regel Texte nicht von A bis Z durchlesen, sondern suchen sich die für sie relevanten Informationen heraus.

In langen Texten ohne Absatzumbrüche ist das fast unmöglich.

Füge deshalb nach jeweils einem ein bis drei Sätzen einen Absatz ein, wie ich es in diesem Artikel mache.

Sehr wichtige Aussagen dürfen sogar allein stehen!

Je mehr Besucher du hast, die deine Webseite auf Mobilgeräten anschauen, desto wichtiger sind kurze Absätze. Zehn Zeilen auf einem Desktop-Monitor ergeben leicht 20 Zeilen auf einem Smartphone und füllen das ganze Display aus!

5. Gliedere den Text mit Zwischenüberschriften

Gliedere deinen Blog-Artikel in kurze, einfach zu verdauende Häppchen. Strukturiere ihn mit beschreibenden Zwischenüberschriften.

Sei nicht zu kreativ. Es kommt auf den Informationsgehalt der Zwischenüberschriften an.

Die Überschriften sollten jeweils den Hauptgedanken des folgenden Inhalts hervorheben. Vermittle dem Leser ein klares Bild, was ihn erwartet, wenn er weiterliest.

Dadurch kann dein Leser die Hauptpunkte des Artikels erfassen, während er ihn überfliegt.

Welchen Text liest du lieber? Na gut, inhaltlich sind beide eher mittelmäßig, aber der rechte sieht wenigstens gut aus!

6. Baue Bilder und Videos ein

90% der Informationen, die unser Gehirn aufnimmt, ist visuell. Und es verarbeitet bildliche Informationen bis zu 60.000 Mal (!) schneller als Text.

Baue auf jeden Fall Bilder in deinen Text ein.

Besser noch als „nur schöne“ Fotos sind Infografiken oder Illustrationen, die helfen, deinen Text besser zu verstehen. Ein Diagramm ist deutlich einfacher zu erfassen als eine Tabelle mit Zahlen.

Videos sind extrem beliebt und werten einen Artikel auf. Du brauchst nicht einmal eigene Videos zu produzieren. Auf Youtube findest du zu fast allen Themen Videos, die du in deinen Artikel einbetten kannst.

7. Schreibe interessante Bildtexte

Wenn du eine Zeitschrift durchblätterst, was liest du als erstes?

Oftmals sind es die Bildtexte. Vor allem, wenn sie spannend, lustig oder ironisch geschrieben sind.

Wiederhole oder beschreibe nicht einfach den Inhalt des Bildes im Bildtext. Greife die Aussage des Bilder auf und formuliere die Botschaft, die du mit dem Bild senden möchtest.

8. Nutze andere, visuelle Elemente

Gestaltete Elemente lockern einen langen Text visuell auf. Sie signalisieren dem Leser einen unterhaltsamen, leicht verständlichen Artikel.

Beispiele für solche Elemente sind:

Hingucker in Blog-Artikeln

  • Farbige Boxen
  • Sprechblasen
  • Icons
  • Hervorgehobene Zitate
  • Kernaussagen in großer Schrift

Nutze solche Elemente, um wichtige Informationen hervorzuheben oder um Neben- oder Hintergrundinformationen einzubauen, die deinen Fließtext aufblähen würden.

Wenn Sie gut gemacht sind, sprechen visuelle Elemente das Auge an und liefern deinen Lesern zugleich inhaltlichen Mehrwert.

9. Hebe wichtige Wörter oder Satzteile fett hervor

Hebe wichtige Textpassagen oder einzelne Wörter durch Fettdruck hervor.

Der Leser erkennt dadurch, worum es geht und kann besser im Text „navigieren“. Durch Hervorhebungen sorgst du dafür, dass sein Blick an den wichtigen Stellen hängen bleibt.

Setze dieses Mittel sparsam ein, ansonsten geht die Wirkung verloren.

10. Verwende strukturierte Listen

Verwende nummerierte Listen oder Aufzählungen statt langer Textabsätze.

Leser lieben Listen. Sie sind:

  • Für das Auge angenehm zu lesen,
  • einfach zu merken
  • und anzuwenden.

Sie brechen komplexe Sachverhalte in simple Schritte oder Bestandteile herunter.

Manchmal kannst du aus Fließtexten durch ein paar Änderungen eine Liste machen. Oder du fasst nach einer ausführlichen Erklärung die wichtigsten Punkte in einer kurzen Liste zusammen.

Listen sollten jedoch nicht zu lang sein: Als Faustregel gilt, dass das menschliche Gehirn etwa sieben Punkte auf einmal erfassen kann.

11. Verlinke zu deinen anderen Inhalten

Konntest du einen Besucher auf deine Webseite locken, darf er gerne etwas länger dableiben!

Biete ihm weitere Informationen an und verlinke im Text auf andere Artikel oder Bereiche deiner Webseite.

Jede weitere Seite, die dein Besucher auf deiner Webseite anschaut, ist eine weitere Gelegenheit, ihn von deinem Angebot zu überzeugen.

Formuliere Linktexte so, dass der Leser erkennt, wohin ihn ein Link führt.

Hebe wichtige Links hervor, zum Beispiel durch Fettdruck, und fordere den Leser zum Klick auf.

Setze nicht zu viele Links, um den Leser nicht zu verwirren.

12. Baue Call-to-Actions ein

Wir erinnern uns: Der Leser ist nicht zur reinen Unterhaltung hier, sondern sucht wahrscheinlich nach der Lösung für ein Problem. Und das möglichst bequem, ohne groß nachzudenken.

Was ist der nächste logische Schritt für deinen Leser, wenn er die Information gefunden hat, die er gesucht hat?

Lässt du ihn mit dieser Frage allein, riskierst du, dass er auf den Zurück-Button seines Browsers klickt: „Danke für die Hilfe, und tschüss!“

Biete ihm stattdessen klare Handlungsoptionen an, die ihm weiterhelfen:

  • Ein Video anschauen oder einen weiteren Artikel lesen
  • Ein E-Book oder Whitepaper herunterladen
  • Sich für den Newsletter anmelden
  • Dich anrufen oder dir eine E-Mail schreiben
  • Ein Produkt kaufen

Hebe wichtige Handlungsaufforderungen visuell hervor, zum Beispiel durch eine Call-to-Action-Box.

Keine Action ohne Call-to-action: Baue Call-to-action-Elemente in deine Blog-Artikel ein.

Nutze Verben und sprich den Leser direkt an:

  • Lade dir … herunter
  • Registriere dich hier
  • Lerne mehr
  • Buche jetzt…

Scheue dich nicht, klar zu sagen, was der Leser tun soll. Ist er nicht interessiert, wird er es sowieso ignorieren.

Platziere die Call-to-Action auf jeden Fall am Ende des Artikels. Da viele Leser jedoch Texte nicht bis zum Ende durchlesen, kannst du sie auch mehrfach innerhalb des Textes oder zusätzlich in einem Pop-up-Fenster unterbringen.

Bonus-Tipp: Teste und optimiere

Ob dein Blog-Artikel funktioniert, wie du es geplant hast, kannst du nur durch Testen herausfinden. Messe das Verhalten deiner Blog-Besucher mit einer Web-Analytics-Software wie Google Analytics oder Matomo.

Beobachte wichtige Kennzahlen wie die durchschnittliche Verweildauer und die Absprungrate (der Anteil der Besucher, der deine Webseite ohne eine Aktion wieder verlässt).

Mit sogenannten Heatmaps kannst du sogar herausfinden, an welcher Stelle deines Artikels sich deine Leser verabschieden.

Stellst du fest, dass viele Besucher eines Artikels schnell wieder umkehren, überlege dir, woran es liegen könnte. Optimiere den Blog-Artikel und beobachte, wie sich die Messdaten verändern.

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