Was entscheidet, ob dein Blog gelesen wird oder nicht?

Ob du es schaffst, Hirn und Herz deiner Zielgruppen zu erreichen und sie sogar zum Handeln zu bewegen?

Klar, der Inhalt zählt – doch nur wenn er auf anschauliche, leicht verständliche und zum Leser passende Sprache vermittelt wird, entfaltet er seine Wirkung.

Wie schreibst du solche Texte für einen Blog-Artikel? Wie lernst du den richtigen Schreibstil?

Es hat wenig damit zu tun, was uns in der Grundschule oder in einem Volkshochschulkurs als „schön schreiben“ verkauft wird!

Hast du je eine solche Einrichtung besucht, vergiss jetzt bitte alles, was du dort gelernt hast.

Befolge stattdessen diese 12 Tipps, wenn du Texte für deinen Blog bessere Texte schreiben lernen möchtest:

1. Sei unkreativ

Online-Texte zu schreiben hat nichts mit kreativem Schreiben zu tun.

Menschen besuchen deine Webseite nicht, um zu lesen, sondern um schnell und mühelos an Informationen zu kommen.

„Kreative” Texte halten sie davon ab.

Blumige Formulierungen, weit schweifende Exkurse und schwer verständliche Wortspiele gehören ins Feuilleton der FAZ, aber nicht auf deine Webseite.

Einfache Aussagen funktionieren am besten. Fast immer.

2. Sieh jeden Text als ein Gespräch

Ich lese täglich englische und deutsche Texte. Dabei fällt mir eines auf:

Englische Texte sind fast alle viel lockerer geschrieben.

Als ein Volk von Ingenieuren haben wir Deutschen scheinbar das besondere Bedürfnis, uns technisch korrekt und geschliffen auszudrücken. Oder in Amtsdeutsch.

Doch ein Blog-Artikel ist keine Rede von einem Podium, selbst wenn du damit hunderte oder tausende Menschen erreichst.

Für jeden Leser ist es ein Gespräch zwischen dir und ihm. Dabei spielt es keine Rolle, ob der Leser ein Geschäftsmann am Schreibtisch ist oder ein Taxifahrer nach Feierabend.

Niemand möchte gerne belehrt oder mit komplizierten Formulierungen gelangweilt werden. Wir mögen Menschen, die einfach reden, freundlich und empathisch sind und Charakter zeigen.

Umgangssprachliches Deutsch ist auf Webseiten voll okay!

Mal mehr und mal weniger, je nach Zielgruppe.

Nicht jeder Satz muss Subjekt, Prädikat und Objekt haben und Sätze dürfen mit „ich” anfangen.

Das reicht wahrscheinlich nicht für eine Eins in Deutsch, aber es wird deinen Texten guttun!

Menschen kaufen bei Menschen. Am liebsten bei solchen, die sie mögen.

Je persönlicher und sympathischer dein Text ist, desto besser kannst du eine Beziehung zu deinen Blog-Besuchern aufbauen.

3. Schreibe in kurzen Sätzen

Lange Sätze sind etwas für Fans von Thomas Mann. Nichts für den durchschnittlichen Leser.

Die Aufmerksamkeitsspanne des modernen Homo Internet verkraftet 15 bis 20 Wörter pro Satz. Mehr als 30 sollten es nie sein.

Besonders auf Displays von Smartphones sind lange Sätze extrem schwer zu lesen.

4. Nutze Substantive und Verben statt Adjektiven

„Verwende Adjektive” hat mir meine Deutschlehrerin stets eingetrichtert:

Das wunderschöne blaue Auto fährt an dem alten, windschiefen Haus vorbei und biegt dann langsam um die scharf gebogene Kurve.

Das ist Quatsch. Großer, wunderschöner Quatsch.

Heute, wo alles super ist, alle Unternehmen höchst kompetent sind und alle Produkte intensiv getestet wurden, haben Adjektive ihre Bedeutung verloren. Im Gegenteil, sie schwächen eine kräftige Aussage ab.

Was hältst du von den beiden folgenden Aussagen?

  • Wir beraten Sie gerne.
  • Wir beraten Sie gerne umfassend und kompetent.

Beide Sätze sagen exakt das Gleiche aus. Nur dass man im zweiten Fall das Gefühl hat, derjenige müsse seine mangelnde Beratungsqualität durch sinnleere Adjektive kaschieren.

Verwende stattdessen Substantive und Verben. Das klingt einfach, aber stark. Ich verspreche es!

5. Nutze einfache, bekannte Wörter

Hast du die Wahl zwischen einem Fremdwort und einem deutschen Wort, entscheide dich für die einfachere Variante.

Komplizierte Wortwahl macht dich nicht zu einem Experten, sondern zu einem schlechten Texter.

Sage nicht „ambivalent”, wenn du auch „zwiespältig” sagen kannst und statt „Inkongruenz” magst du vielleicht lieber „mangelnde Übereinstimmung” sagen.

Bleibe dabei vernünftig und berücksichtige deine Zielgruppe. „Tunwörter” statt „Verben” zu sagen klingt nach Kindergarten.

Musst du ein Fremdwort verwenden, das nicht absolut gängig ist, erkläre es.

6. Entferne überflüssige und Füllwörter

Wie auch immer, dieser Punkt ist eigentlich ja auch immer wieder eines der größeren Probleme, aber du solltest unter allen Umständen darauf achten.

Wörter wie „auch“, „immer wieder“, „manchmal“, „eigentlich“, „aber“, „ja“ tragen oft kein bisschen zur Satzbedeutung bei. Du kannst sie weglassen und dein Satz wird besser klingen.

Ein „aber” deutet einen Widerspruch an – ohne hört sich ein Satz viel freundlicher an.

Pro tausend Wörtern entferne ich aus meinen Texten bei der Überarbeitung mindestens 5 mal das Wörtchen „auch“.

Hört sich der oben erwähnte Satz so nicht besser an: 

Dieser Punkt bereitet oft große Probleme. Achte darauf!

Sei ausgeglichen. Wenn bestimmte Füllwörter – sparsam eingesetzt – deine Aussage verstärken oder eine persönliche Note einbringen, behalte sie im Text.

7. Verwende Aktivsätze

Formuliere so oft wie möglich aktiv.

Sage „Wir beraten Sie” oder „Bestellen Sie hier” statt „Bei uns werden Sie beraten” und „Hier können unsere Produkte bestellt werden”.

Aktivsätze sind deutlich einfach zu lesen. Mit Aktivsätzen sprichst du deinen Leser direkt an. Passivsätze machen Aussagen, die niemanden so wirklich betreffen.

Nur in seltenen Fällen sind Passivsätze die bessere Wahl – etwa wenn der Akteur im Satz nicht bekannt oder irrelevant ist oder du ihn explizit nicht nennen möchtest.

8. Sprich den Leser direkt an

Wo wir beim Thema sind: Sprich direkt mit dem Leser. Schreibe nicht: „man könnte” oder „es ist empfehlenswert”; schreibe: „Wir empfehlen Ihnen” oder „Haben Sie schon einmal daran gedacht…?”.

Dadurch wird dein Text zum persönlichen Dialog.

Du wirst eher dein Ziel erreichen und deinen Besucher zu einer gewünschten Aktion motivieren können.

9. Vermeide Fachjargon und Abkürzungen

Deine Webseite ist für alle, nicht nur für Experten!

Bereite alle Informationen so auf, dass sie für jeden verständlich sind.

Selbst wenn du eine professionelle Zielgruppe hast und komplexe technische Geräte entwickelst: Nicht jeder Ansprechpartner bei deinen Kunden kennt sich mit allen Details aus!

Vermeide Fachbegriffe, oder definiere sie oder verweise auf ein Glossar. Verwende Abkürzungen erst, nachdem du erklärt hast, wofür sie stehen.

Du musst die Sprache deiner Kunden sprechen, und nicht umgekehrt!

10. Erzähle Geschichten

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte.

Aber mit nur wenigen Worten kannst du Bilder im Kopf deines Lesers entstehen lassen.

Du willst deinem Leser Informationen oder Botschaften vermitteln. Bette sie in eine Geschichte ein („Storytelling”) und dein Text wird umso wirkungsvoller.

Du brauchst keine Märchen zu erzählen. Verwende dein eigenes Beispiel oder das eines Kunden als Aufhänger.

Erzähle, welche Ergebnisse du erreichen konntest, indem du die Empfehlungen umgesetzt hast, über die du schreibst. Beschreibe die Fehler, die du gemacht hast.

Hier findest du 9 großartige Ideen, wie du Storytelling im B2B einsetzen kannst.

11. Schreibe anschaulich und detailliert

Beschränke dich dabei nicht auf allgemeine Beschreibungen. Verwende spezifische Aussagen, beschreibe Details anschaulich und gib Beispiele aus der Realität an.

Hast du die Wahl zwischen abstrakten Begriffen („Werkzeuge“) und konkreten („Hammer und Säge“), wähle konkrete. Den abstrakten dazu denkt sich der Leser automatisch – andersherum funktioniert es weniger gut.

Obwohl Joseph Pulitzer (1847-1911) – ja, der mit dem Preis – kein ausgewiesener Experte für Online-Texte war, gilt sein bekanntes Zitat bis heute:

»Wenn Du etwas schreibst – schreibe kurz und sie werden es lesen, schreibe einfach und sie werden es verstehen, schreibe bildhaft und sie werden es im Gedächtnis behalten.«

Lass mich dir zwei Beispiele geben, die so auf eine Webseite stehen könnten.

Die Lesen-und-Vergessen-Version:

  • Das ist die beste Bohrmaschine auf dem Markt.
  • Wir sind der Beratungspartner, der Ihnen immer hilft.

Die Bleibt-im-Kopf-Version:

  • Unsere Bohrmaschine besteht zu 100 Prozent aus panzerbrechendem Kryptonit, das bei Vollmond in nuklear-thermalen Hochöfen gebrannt wurde. Egal ob Stahl, Stein oder Holz, vor diesem Bohrwunder kapituliert jede Wand in Sekunden.
  • Egal ob Sie unser Einsteiger- oder Premium-Gold-Platinum-Paket gekauft haben, unsere Hotline ist an 7 Tagen 24 Stunden für Sie erreichbar. Unsere geschulten Support-Mitarbeiter warten nur darauf, sich um Ihr Anliegen zu kümmern.

Na gut, ein bisschen dick aufgetragen. Aber du verstehst, was ich meine?

Durch Details und bildhafte Beschreibungen bleibst du im Gedächtnis deiner Leser. Du hebst dich von deinen Mitbewerbern ab.

Und ganz nebenbei lieferst du Google eine Menge Keywords, die für dein Thema relevant sind.

Falls du es nicht bemerkt hast:

Storytelling lässt sich sogar in technischen Produktbeschreibungen anwenden!

12. Lies deinen Text Korrektur

Texte voller Rechtschreib- und Grammatikfehler lassen deine Webseite laienhaft und fragwürdig wirken.

Die Leser werden deine Aussagen anzweifeln – wer weiß, ob deine Recherche nicht genauso schlampig war wie dein Umgang mit der deutschen Sprache!

Außerdem bremsen Fehler den Lesefluss und lenken ab.

Lege deinen Text beiseite, nachdem du ihn fertig geschrieben hast. Lies ihn ein paar Stunden später oder am nächsten Tag mit einem klaren Kopf ein- oder zweimal Korrektur.

Hast du Schwierigkeiten mit der Rechtschreibung oder bist du bei deinen eigenen Texten Fehler-blind, nutze eine Software wie LanguageToolPlus und/oder gib dem Text jemand anderen zum Korrekturlesen.

Übe, übe, übe

Du bist noch nicht so richtig zufrieden mit deinen Texten?

Macht nichts! Schreiben ist ein größtenteils Handwerk und weniger eine Gabe. Jeder kann lernen, gute Online-Texte und Blog-Artikel zu schreiben.

Nach 15 Jahren als Texter kann ich das sagen.

Analysiere deine Texte und schreibe dir auf, was du verbessern möchtest. Und dann übe, übe, übe …

4 Kommentare zu „Bessere Texte schreiben lernen: 12 Tipps für erfolgreiche Blog-Artikel“

  1. Eine tolle Liste, die ich gerne weiterempfehlen werde!

    Punkt 4 würde ich gern doppelt unterstreichen und laut in die Welt hinaus schreien 🙂

    Punkt 6 sehe ich ein wenig anders. Ich habe mal irgendwo gelesen: Füllwörter geben einem Text die persönliche Note. Die von Dir genannten Beispiele zählen sicherlich nicht dazu, aber da gibt es eine Reihe von Füllwörtern, die ich in meinem Blog nicht streiche, damit mein Text „mein Text“ bleibt.

    1. Marcel Schreyer

      Hallo Eddy,

      danke für dein Lob und deinen Kommentar!

      Ich denke, wir sehen den Punkt 6 doch ähnlich. Eine gesunde Abwechslung ist nötig. Wie beim Sprechen: ein paar „äähms“ sind natürlich; kommen sie zu oft, nerven sie und lenken ab.

      Ich streiche Wörter dann, wenn sie zur Bedeutung nichts beitragen (oder sie sogar unerwünscht verändern). Drücken die „Füllwörter“ etwas aus, was ich mitteilen will, lasse ich sie drin.

      Letztendlich muss mein Stil zu meinem Publikum und zum Ziel des Textes passen – tut er das, ist alles ok.

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