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Großartige B2B-Texte schreiben: 19 Profi-Tipps, nicht nur für Anfänger

Eine Tastatur zu bedienen und texten zu können, sind zwei grundverschiedene Dinge. Letzteres ist leider deutlich schwieriger.

Vor allem im B2B und in technischen Branchen werden Texterinnen und Texter händeringend gesucht:

Wer will schon langweilige B2B-Texte über Drehmaschinen oder Baustellen-Software schreiben, wenn er oder sie stattdessen über die neuesten Food- und Fashion-Trends berichten kann? (Du bemerkst die Ironie, oder?)

Also möchte ich meinen Beitrag leisten und haue in diesem Artikel meine gesammelten Erfahrungen raus, wie du gute oder sogar hervorragende B2B-Texte schreibst.

Eigentlich wollte ich einen Online-Kurs für 1.999 Euro dazu anbieten. Ich hoffe, obwohl die Tipps jetzt kostenlos sind, dass du sie trotzdem schätzt und vor allem selbst anwendest. 😉

Los gehts!

Kenne dein Ziel und deine Zielgruppe

Obwohl es in diesem Artikel vor allem um die sprachliche und erzählerische Komponente von B2B-Texten geht, muss ich eine Sache vorausschicken:

Bevor du anfängst zu schreiben oder auch zu recherchieren, musst du dir über drei Fragen glasklar sein:

  • Für wen schreibe ich: für welche Zielgruppe oder Customer-Persona?
  • Welches Problem hat die Customer-Persona, das ich durch meinen Text lösen möchte?
  • Welches Ziel verfolgen wir selbst mit dem Text? Was soll die Customer-Persona nach dem Lesen denken oder tun?

Falls du dir in einem dieser Punkte noch unsicher bist und noch keine 100 % konkrete Antwort hast, dann kläre das zuerst.

Das gilt immer, doch im B2B noch mal verstärkt, weil die Zielgruppen und die Themen oft schwer verständlich sind; und du kannst dich nicht unbedingt mit allen und allem komplett identifizieren.

Wenn du nur ein schwammiges Verständnis deines Themas hast, kannst du sprachlich so brillant sein, wie du willst: Der B2B-Text wird am Ende schwammig und nichtssagend sein: eine Verschwendung von Zeit und Geld.

Klar, so weit? Dann ab zum ersten Tipp.

1. Schreibe einfach und komm zum Punkt

B2B-Texte zu schreiben hat nichts mit kreativem Schreiben zu tun.

Menschen besuchen deine Website nicht, um zu lesen, sondern um schnell und mühelos an Informationen zu kommen. „Kreative“ Texte halten sie davon ab.

Natürlich möchten sie sich nicht durch trockene Textwüsten quälen, und sogar ein wenig unterhalten werden.

Doch das darf sie nicht mehr von ihrer knappen Zeit kosten.

Blumige Formulierungen und ausschweifende Exkurse gehören ins Feuilleton der FAZ, aber nicht in deinen B2B-Blog oder in deine Whitepaper.

Metaphern, Analogien und andere „schöne Wortbilder“ sind oft erklärungsbedürftig oder klischeehaft und abgenutzt. Setze sie sparsam ein.

Deine Sprache muss dabei helfen, wichtige Informationen (und auch Emotionen) leichter zu vermitteln. Doch wenn die wichtigen Gedanken durch deinen Schreibstil in den Hintergrund rücken, machst du etwas falsch.

Einfache Aussagen funktionieren am besten. Fast immer.

Und im B2B hat sich noch nie jemand darüber beschwert, dass man gleich zum Punkt kommt.

In diesem Artikel erkläre ich dir eine einfache Methode für kurze und knackige Einleitungen.

2. Sieh jeden Text als ein Gespräch

Ich lese täglich englische und deutsche Texte. Dabei fällt mir eines auf:

Englische Texte sind fast alle viel lockerer geschrieben.

Als ein Volk von Ingenieuren haben wir Deutschen scheinbar das besondere Bedürfnis, uns technisch korrekt und geschliffen auszudrücken. Oder in Amtsdeutsch.

Doch ein Blog-Artikel ist keine Rede von einem Podium, selbst wenn du damit hunderte oder tausende Menschen erreichst.

Für jeden Leser ist es ein Gespräch zwischen dir und ihm. Dabei spielt es keine Rolle, ob der Leser ein Geschäftsmann am Schreibtisch ist oder ein Taxifahrer nach Feierabend.

Niemand möchte gerne belehrt oder mit komplizierten Formulierungen gelangweilt werden. Wir mögen Menschen, die einfach reden, freundlich und empathisch sind und Charakter zeigen.

Umgangssprachliches Deutsch ist auf im B2B voll okay; mal mehr und mal weniger, je nach Branche und Zielgruppe.

Nicht jeder Satz muss Subjekt, Prädikat und Objekt haben und Sätze dürfen mit „ich“ anfangen. Das reicht wahrscheinlich nicht für eine Eins in Deutsch, aber es wird deinen Texten guttun!

Menschen kaufen bei Menschen. Am liebsten bei solchen, die sie mögen.

Je persönlicher und sympathischer dein Text ist, desto besser kannst du eine Beziehung zu deinen Blog-Besuchern aufbauen.

3. Schreibe in kurzen Sätzen

Lange Sätze sind etwas für Fans von Thomas Mann. Nichts für den durchschnittlichen Leser.

Die Aufmerksamkeitsspanne des modernen Homo Internet verkraftet 15 bis 20 Wörter pro Satz. Mehr als 30 sollten es nie sein.

Besonders auf Displays von Smartphones sind lange Sätze extrem schwer zu lesen.

4. Nutze Substantive und Verben statt Adjektiven

„Verwende Adjektive” hat mir meine Deutschlehrerin stets eingetrichtert:

Das wunderschöne blaue Auto fährt an dem alten, windschiefen Haus vorbei und biegt dann langsam um die scharf gebogene Kurve.

Das ist Quatsch. Großer, wunderschöner Quatsch.

Gerade in B2B-Themenfeldern, wie Technologie oder Management, werfen die Marketer nur so mit Adjektiven um sich: alles ist innovativ, effizient, kundenorientiert, leistungsstark.

Heute, wo alles super ist, alle Unternehmen höchst kompetent sind und alle Produkte intensiv getestet wurden, haben Adjektive ihre Bedeutung verloren. Im Gegenteil, sie schwächen eine kräftige Aussage ab.

Dadurch klingen so viele B2B-Texte wischi-waschi, nach Marketing-bla-bla und Management-Bullsh*t.

Was hältst du von den beiden folgenden Aussagen?

  • Wir beraten Sie gerne.
  • Wir beraten Sie gerne umfassend und kompetent.

Beide Sätze sagen exakt das Gleiche aus. Nur dass man im zweiten Fall das Gefühl hat, derjenige müsse seine mangelnde Beratungsqualität durch sinnleere Adjektive kaschieren.

Verwende stattdessen Substantive und Verben. Das klingt einfach, aber stark. Ich verspreche es!

Wie funktioniert das? Darauf kommen wir im nächsten Tipp:

5. Arbeite den konkreten Nutzen heraus

Durch deinen Text möchtest du deine Zielgruppe davon überzeugen, dass du ihre Probleme lösen kannst. Sie müssen also verstehen, welchen Nutzen sie von den Dingen haben, über die du sprichst.

Dann lass sie nicht nachdenken und das selbst herausfinden müssen. Es ist dein Job, immer den Nutzen herauszuarbeiten.

Kommen wir wieder auf die Adjektive zurück:

Mit Worten wie kompetent, effizient, leistungsstark möchtest du zeigen, wie toll und hilfreich deine Angebote. Aber mal ehrlich: was sollen sich Lesende darunter vorstellen?

Beschreibe stattdessen die konkreten Eigenschaften – oder besser noch: den konkreten Nutzen – einer Sache; das, was du durch das Adjektiv ausdrücken wolltest.

Zwei Beispiele:

„Die innovative Bohrmaschine…“

Was ist daran innovativ? Durch eine neue Technologie benötigst du 50 % weniger Kraft beim Bohren.

Okay, dann sag das doch – und die Nutzenden verstehen von selbst, dass das innovativ ist.

Oder: „Unsere kundenorientierte Beratung…“

Was ist daran kundenorientiert? Eure Hotline ist 24/7 besetzt, die Beratenden sind sehr erfahren und lösen jedes Problem im Durchschnitt innerhalb von 3 Stunden.

Okay, dann sag das doch …

Und wenn dir nichts Konkretes einfällt?

Dann gehe zurück auf los und mach erst deine Hausaufgaben: Sprich mit Vertrieb und Produktentwicklung, oder führe Kundeninterviews, und lernen den Nutzen eurer Produkte für die Zielgruppe verstehen.

6. Verwende passende Beispiele

Eine weitere tolle Methode, wie du Texte konkreter und anschaulicher machen kannst, sind Beispiele.

Dazu ein Beispiel: 🙂

Für einen Softwarehersteller schrieb ich einen Artikel, der den Unterschied zwischen einer „herkömmlichen“ Software und einer modernen Software zeigen sollte.

Natürlich schrieb ich, dass „aufwendige, ineffiziente Prozesse“ jetzt viel „effizienter“ seien, vieles ginge „fast automatisch“.

Feinstes Marketing-Gelaber.

Doch in diesem Fall stimmte das einfach. Wie konnte ich das den Lesenden verständlich machen?

Indem ich ein konkretes Beispiel, ein Nutzungsszenario (use case) beschrieb: Ich beschrieb, welche einzelnen Schritte eine für die Zielgruppe typische Aufgabe umfasst, und wie diese jeweils mit der alten und neuen Software erledigt werden können.

Die Lesenden verstehen sofort den Unterschied und den Nutzen für sich.

Konkrete, nachweisbare Vorher-Nachher-Vergleiche (oder Mit-Ohne-Vergleiche) funktionieren hervorragend.

Wann sind Beispiele passend?

Verwende Beispiele aus dem Alltag der Zielgruppen (oder der Customer-Persona). Am besten sind die, die du nicht erklären musst, wo die Lesenden sofort nicken und denken: „Oh ja, das kenn ich.“

7. Vermeide Phrasen

Im Management-Sprech haben sich über Jahre Phrasen eingebürgert, die du in jedem Meeting, in jedem LinkedIn-Post und sonstigem B2B-Text findest.

Zwei fallen mir spontan ein: „Mehrwert liefern“ und „die Kunden abholen“.

Das Problem: Du hast (vielleicht) etwas Konkretes im Kopf, wenn du davon sprichst. Deine Lesenden haben das nicht. Sie haben keine Ahnung, was du damit meinst.

Glaubst du nicht?

Nehmen wir einen Text über Online-Shops als Beispiel: Thema war, dass Händler Ihre Kundschaft über verschiedene Kanäle erreichen müssen (Omnichannel).

Irgendwo im Text stand, dass „Händler ihre Kunden dort abholen müssen, wo sie sind“.

Was könnte das alles bedeuten? Händler müssen…

  • alle Kunden individuell ansprechen, durch Personalisierung.
  • ihre Kampagnen auf die Ansprüche und den Lifestyle der verschiedenen Kundensegmente abstimmen.
  • ihren Shop auf allen Kanälen zugänglich machen, die die Zielgruppen nutzen.
  • den einfachen Wechsel zwischen den Kanälen während des Kaufprozesses möglich machen.

Es gäbe noch mehr Interpretationsmöglichkeiten. Welche davon sind im jeweiligen Kontext relevant? Das musst du den Lesenden erklären.

Selbst, wenn du alles davon meinst: Willst du den Lesenden wirklich zumuten, dass sie 15 Minuten lang über einer Formulierung brüten um herauszufinden, was du ihnen sagen willst? (Das machen sie sowieso nicht.)

Phrasen gedankenlos zu wiederholen ist nichts anderes als Denkfaulheit.

8. Nutze bekannte Wörter

Hast du die Wahl zwischen einem Fremdwort und einem deutschen Wort, entscheide dich für die geläufigere Variante. Oft ist das die deutsche.

Komplizierte Wortwahl macht dich nicht zu einem Experten, sondern zu einem schlechten Texter.

Sage nicht „ambivalent”, wenn du auch „zwiespältig” sagen kannst und statt „Inkongruenz” magst du vielleicht lieber „mangelnde Übereinstimmung” sagen.

Bleibe dabei vernünftig und berücksichtige deine Zielgruppe. „Tunwörter” statt „Verben” zu sagen klingt nach Kindergarten. Im IT- oder Marketing jeden Begriff krampfhaft ins Deutsche zu übersetzen, ebenso.

Und damit sind wir schon beim nächsten Tipp:

9. Vermeide Fachjargon und Abkürzungen

Deinen B2B-Content lesen nicht nur Fachexperten und -expertinnen!

Natürlich magst du komplexe techische Geräte entwickeln und deine Zielgruppe mag aus Ingenieurinnen und Programmierern bestehen. Aber nicht alle davon kennen sich in jedem Thema und in allen Details gleich gut aus.

Und auch deren Vorgesetzte, Mitglieder der Geschäftsführung oder der Einkaufsabteilung wollen sich eventuell die eine oder andere Information über dich holen.

Was, wenn sie nur Bahnhof verstehen?

Bereite alle Informationen so auf, dass sie für jeden verständlich sind.

Selbst wenn Lesende Fachbegriffe kennen: Übertrieben technische, mit Fremdwörtern gespickte Texte sind ein Graus; leicht geht die zentrale Botschaft verloren und Emotionen kannst du damit auch nicht wecken.

Wenn du Fachbegriffe verwenden musst, die nicht unbedingt jeder kennt, dann definiere sie kurz oder verweise auf ein Glossar. Verwende Abkürzungen erst, nachdem du erklärt hast, wofür sie stehen.

Du musst die Sprache deiner Kunden sprechen, und nicht umgekehrt!

10. Entferne überflüssige und Füllwörter

Wie auch immer, dieser Punkt ist eigentlich ja auch immer wieder eines der größeren Probleme, aber du solltest unter allen Umständen darauf achten.

Wörter wie „auch“, „immer wieder“, „manchmal“, „eigentlich“, „aber“, „ja“ tragen oft kein bisschen zur Satzbedeutung bei. Du kannst sie weglassen und dein Satz wird besser klingen.

Ein „aber” deutet einen Widerspruch an – ohne hört sich ein Satz viel freundlicher an.

Pro tausend Wörtern entferne ich aus meinen Texten bei der Überarbeitung mindestens 5 mal das Wörtchen „auch“.

Hört sich der oben erwähnte Satz so nicht besser an: 

Dieser Punkt bereitet oft große Probleme. Achte darauf!

Sei ausgeglichen. Ein paar Füllwörter machen einen Text natürlich oder können eine persönliche Note einbringen. Du bist ja nicht Siri!

11. Verwende Aktivsätze

Formuliere so oft wie möglich aktiv.

Sage „Wir beraten Sie” oder „Bestellen Sie hier” statt „Bei uns werden Sie beraten” und „Hier können unsere Produkte bestellt werden”.

Aktivsätze sind deutlich einfach zu lesen.

Mit Aktivsätzen sprichst du deinen Leser direkt an. Passivsätze machen Aussagen, die niemanden so wirklich betreffen.

Nur in seltenen Fällen sind Passivsätze die bessere Wahl – etwa wenn der Agierende im Satz nicht bekannt oder irrelevant ist oder du explizit niemanden direkt nennen möchtest.

12. Sprich die Lesenden direkt an

Wo wir beim Thema sind: Sprich direkt mit den Lesenden.

Schreibe nicht: „man könnte“ oder „es ist empfehlenswert“; schreibe: „Wir empfehlen Ihnen“ oder „Haben Sie schon einmal daran gedacht, …?“.

Dadurch wird dein Text zum persönlichen Dialog; siehe Tipp 2.

Du wirst eher dein Ziel erreichen und deinen Besucher zu einer gewünschten Aktion motivieren können.

Du weißt ja, was passiert, wenn jemand sagt: „…man müsste mal was machen.“

13. Erzähle Geschichten

Eine Menge Fakten kannst du dir nur schwer merken. Eine gute Geschichte viel besser. Das geht allen so.

Informationen oder Botschaften kannst du viel leichter vermitteln, wenn du sie in eine Geschichte einbettest.

Das nennt sich Storytelling.

Du musst dafür keine Märchen oder fiktive Szenarien erzählen. Verwende dein eigenes Beispiel oder das eines Kunden als Aufhänger.

Erzähle, welche Ergebnisse du erreichen konntest, indem du die Empfehlungen umgesetzt hast, über die du schreibst. Beschreibe die Fehler, die du gemacht hast.

Es gibt ganz simple Storytelling-Strukturen in drei Akten, nach denen du deinen Text aufbauen kannst. Eine, zum Beispiel, ist:

  1. Ein Kunde hat ein Problem.
  2. Er kann das Problem lösen.
  3. Es geht ihm jetzt viel besser.

Klingt simpel, funktioniert aber.

Toller Nebeneffekt: deine B2B-Texte werden nicht nur besser, das Schreiben wird dir auch deutlich schneller und leichter von der Hand gehen.

Hier findest du 9 großartige Ideen, wie du Storytelling im B2B einsetzen kannst.

14. Stelle Lesende nicht als doof dar

What? Würdest du natürlich nie tun; kann aber passieren.

Manchmal rutschen uns Formulierungen raus, wie:

  • „Wie jeder weiß,…“
  • „Jedem ist klar, dass,…“
  • „Spätestens seit … haben auch die letzten verstanden, dass …“

Du kannst das sagen, wenn du absolut überzeugt bist, dass auch der oder die Allerletzte schon weiß, was kommt. (Dann stellt sich jedoch die Frage, warum es überhaupt erwähnenswert ist.)

Wahrscheinlich ist: Es gibt immer noch Menschen, denen der Gedanke neu ist, oder die ihn noch nicht akzeptiert haben. Gib ihnen deshalb kein schlechtes Gefühl.

15. Sei differenziert

Stelle Vermutungen oder Behauptungen nicht als Fakten dar und mache keine unbegründeten Pauschalaussagen.

Sei differenziert ist deinen Formulierungen: Es ist ein Unterschied, ob etwas manchmal oder häufig passiert, oder nur unter bestimmten Voraussetzungen, ob etwas ist oder sein könnte.

Stelle keine simplen Ursache-Wirkung-Zusammenhänge her, wenn es viele Faktoren gibt, die darauf Einfluss nehmen. Erkläre die Zusammenhänge. Das gilt umso mehr, je komplexer das Umfeld ist.

Schreibe nicht: „Wenn dein Online-Shop einfach zu bedienen ist, machst du höhere Umsätze.“

Das kann zwar sein. Wenn du jedoch gleichzeitig drei andere Dinge falsch machst, wird das nie eintreten.

Eine bessere Formulierung wäre:

„Wenn deine Kunden deinen Online-Shop leicht bedienen können, werden sie eher bei dir einkaufen. Weil…“

16. Was ist mit Humor?

Humor bringt Würze in deine Texte. Durch humorvolle Überspitzung kannst du bestimmte Aussagen verdeutlichen. (Wie etwa in der Einleitung dieses Artikels.)

Und sich selbst nicht zu ernst zu nehmen und einen Spaß auf eigene Kosten zu machen, bringt dir Sympathien ein.

Allerdings: Humor ist Geschmackssache, wie du weißt. Bist du im Zweifel, ob ein Witz passend ist, lass ihn weg. Im Gespräch lassen sich Missverständnisse aufklären; beim Lesen geht das nicht.

Sarkasmus hat in B2B-Texten nichts verloren, und von (unkommentierter) Ironie rate ich ab. Zu leicht überliest man entsprechende Stellen und nimmt Aussagen für bare Münze.

17. Verbinde die einzelnen Gedanken sinnvoll

Dein Text besteht aus mehreren Unterthemen und einzelnen Gedanken. Diese müssen zusammen einen roten Faden ergeben.

In diesem Zusammenhang sehe ich in B2B-Texten oft zwei (gegensätzliche) Fehler, die du nicht machen solltest:

Fehler 1: Der Übergang zwischen den Gedanken fehlt.

Die Gedanken sind einfach hintereinander „aufgelistet“. Die Folge: Die Lesenden müssen buchstäblich Gedankensprünge machen; sie werden aus dem einen Gedanken gerissen und in den nächsten geschubst.

Fehler 2: Jedes Unterthema beginnt mit einer ausführlichen Einleitung.

Diese Einleitung ist oft nichtssagend und wiederholt bereits bekannte Gedanken. Damit verschwendest du Platz und die Zeit deiner Lesenden.

Meine Empfehlung:

Verbinde Unternehmen und Gedanken mit jeweils einem Satz. (Klar, manchmal mag mehr nötig sein.)

Einfachste Möglichkeit: „Nun haben wir X besprochen, kommen wir zu Y.“ Und dann machst du mit dem nächsten Punkt weiter.

Oder du erklärst in einem Satz, wie der vorherige mit dem folgenden Punkt zusammenhängt, sofern das nicht selbsterklärend ist.

Eine weitere Methode:

Mache eine kurze Aussage oder stelle eine rhetorische Frage, die Spannung auf den nächsten Punkt erzeugt. Beispiele:

  • „Warum ist das so?“
  • „Stimmt das wirklich?“
  • „Das sind die Ursachen:“
  • „Jetzt fragst du dich bestimmt:“

Wo wir gerade beim Fragen stellen sind:

18. Stelle rhetorische Fragen

Tipp 2 dieses Artikels lautete: Sieh jeden B2B-Text als ein Gespräch. In einem Gespräch würdest du Fragen stellen, oder?

Das solltest du auch in deinen Texten tun. Durch Fragen beziehst du die Lesenden mit ein und regst sie zum Nachdenken an.

Drei Möglichkeiten:

1. So, wie im vorigen Tipp beschrieben: bevor du etwas erklärst. Die Lesenden können sich erst einmal selbst überlegen, was sie von der Sache halten, bevor sie deinen Standpunkt kennenlernen.

2. Am Ende einer Argumentation. Anstatt, dass du selbst (sofort) die Schlussfolgerung ziehst und den Lesenden fast vorschreibst, was sie denken sollen, lässt du sie selbst schlussfolgern: „Was denkst du, welchen Nutzen hat das für dich?“, oder „Kannst du dir jetzt vorstellen, dass …?“.

3. Wenn du weißt, dass Lesende (deine Customer-Persona) bestimmte Einwände gegen deine Argumentation haben, kannst du diese stellvertretend für sie in Form von Fragen artikulieren, wie etwa:

„Fragst du dich jetzt, ob …?“ oder „Ist das für dich wirklich umsetzbar: …?“ oder „Das behauptet doch jeder; funktioniert das wirklich?“.

Damit zeigst du, dass du das Gegenüber verstehst und seine oder ihre Meinung ernst nimmst.

19. Verwende bildhafte Begriffe

Einer meiner Lieblingstipps zum Schluss: Verwende bildhafte statt abstrakte Begriffe.

Klingt abstrakt? Lass mich dir mit einem Beispiel helfen:

„Gestern waren wir …………. essen.“

Setze eines der folgenden Wörter ein:

  • Nahrungsmittel
  • Teigwaren nach südeuropäischer Rezeptur
  • Italienisch
  • Pizza & Pasta
  • Pizza
  • Pizza Salami

Wie würdest du das im Alltag sagen? Wahrscheinlich: „Wir waren Pizza essen.“

Würdest du das auch so sagen, wenn eine Person von vieren stattdessen Spaghetti gegessen hat? Klar, warum nicht. Oder du sagst: „Wir waren beim Italiener“.

Das wäre normal. Doch wenn wir B2B-Texte schreiben, sind wir nicht (immer) normal. Wir schreiben dann Dinge wie „Teigwaren nach südeuropäischer Rezeptur“, weil schließlich alles technisch korrekt sein muss und wir solch abstrakte Ausdrücke aus öffentlichen Reden in Politik und Wirtschaft gewohnt sind.

Das Problem: Bei konkreten Begriffen entsteht ein Bild in unserem Kopf. Bei abstrakten nicht. Bei „Pizza Tonno“ bekomme ich einen wässrigen Mund, bei „Nahrungsmittel“ nicht.

Außerdem können wir schnell von konkreten auf abstrakte Begriffe schließen: Jedem ist sofort klar, dass ein Hammer ein Werkzeug und eine Apfelschorle ein Getränk ist. Andersherum muss ich nachdenken.

Noch ein Beispiel aus dem geschäftlichen Kontext:

„Unterstütze deine Mitarbeiter durch …………“

  • Personelle Entwicklungsmaßnahmen
  • Weiterbildungen
  • Trainings & Coachings
  • Trainings
  • Kommunikationstrainings

Welchen Begriff würdest du nun verwenden?

Wenn du dir unsicher bist oder es auf Details ankommt: Nimm den abstrakten Begriff und ergänze ihn durch zwei oder drei Beispiele:

„…personelle Entwicklungsmaßnahmen, wie Trainings und Coachings.“

Funktioniert praktisch immer.

Dein Feedback

Liebe Leserin und lieber Leser,

in diesem Blog teile ich mein gesamtes Know-how mit dir, kostenlos und ohne dir am Ende einen teuren Kurs verkaufen zu wollen.

Du kannst dich ein klein wenig dafür revanchieren, indem du am Ende des Artikels einen Kommentar mit deinem Feedback hinterlässt. Das wäre suuuuper! 🙂

Letzte Worte

Puh, das war jetzt eine Menge Holz. Die Tipps stammen aus Ich-weiß-nicht-wie-vielen Jahren als B2B-Texter und ich habe vieles davon erst herausfinden, lange und ausgiebig trainieren und schließlich dokumentieren müssen.

Also sei nicht enttäuscht, wenn es nicht gleich klappt. Das Geheimnis guter B2B-Texte ist dasselbe wie bei allen anderen Texten: gezieltes Üben, Üben, Üben.

1 Kommentar zu „Großartige B2B-Texte schreiben: 19 Profi-Tipps, nicht nur für Anfänger“

  1. Avatar

    Whow, das war eine Menge Input: vielen Dank dafür, Marcel! Und natürlich auch dafür, dass Du diesen Content komplett kostenlos verfügbar gemacht hast!

    Ich werde diesen Beitrag sehr gerne weiterempfehlen.

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