Virtuelles Klassenzimmer: Vor- und Nachteile & Tipps

Die COVID-19-Pandemie hat seit dem Jahr 2020 viele Aspekte unseres Lebens, einschließlich der Arbeitsplätze und des beruflichen Lebens, drastisch verändert. 

Lehre und Studium haben den Preis der sozialen Distanzierung sofort und direkt zu spüren bekommen, da Schließungen auf der ganzen Welt zu einer massiven Abwanderung sowohl von Schülern als auch von Lehrkräften vom physischen Klassenzimmer zum Online-Unterricht geführt haben.

Derzeit führen viele Institutionen innovative Lern- und Lehrmethoden ein, um sich an die neuen Umstände anzupassen. Eines dieser Lernmodelle ist das virtuelle Klassenzimmer.

Lesen Sie weiter und erfahren Sie, wie das virtuelle Klassenzimmer funktioniert, welche Vor- und Nachteile es hat und wie man es erfolgreich einsetzt.

Was ist ein virtuelles Klassenzimmer?

Ein virtuelles Klassenzimmer ist ein Unterrichtskonzept, in dem Lehrende die Inhalte nicht in Präsenz, sondern online vermitteln. Die Teilnehmer nutzen dazu in der Regel eine Video-Konferenz-Software mit zusätzlichen Tools und Funktionen, wie Konferenzschaltungen, Break-out-Rooms, Chat-Funktionen, Whiteboards oder anderen Applikationen.

Virtuelle Klassenzimmer sind also Online-Lehrveranstaltungen mit interaktiven Elementen.

So funktioniert ein virtuelles Klassenzimmer

Das Modell des virtuellen Klassenzimmers wirkt auf den ersten Blick sehr kompliziert. Tatsächlich ist die Umsetzung und das Konzept leichter als Sie vermuten. 

Das wichtigste direkt zu Beginn: Das virtuelle Klassenzimmer funktioniert zeit- und ortsunabhängig. Das bedeutet, dass die Teilnehmer von überall an der Veranstaltung teilnehmen können. 

Die Lehrenden und Teilnehmer nutzen in der Regel eine Video-Konferenz-Software, wie Microsoft Team, Google Meet oder Zoom. 

Mit dieser Software können sich die Teilnehmer gegenseitig sehen und direkt miteinander kommunizieren. Die meisten Software-Lösungen haben ergänzende Funktionen, wie einen Chat, Abstimmungen, Konferenzen, Screensharing oder Whiteboards. Dadurch können die Teilnehmer einfach und schnell miteinander interagieren.

Vorteile des virtuellen Modells

Das virtuelle Klassenzimmer bietet Lehrenden, Schülern, Studierenden und Besuchern von Seminaren oder Messen viele Vorteile.

Räumlich unabhängiges Lehren und Lernen

Veranstaltungen sind durch das virtuelle Lehrmodell immer möglich. Auch dann, wenn die Teilnehmer räumlich getrennt sind. Durch den Videochat müssen Sie nicht mehr vor Ort sein und können einfach und flexibel an Veranstaltungen auf der ganzen Welt teilnehmen.

Ortsunabhängige Teilnahme

Ob im Bus, in der Bahn oder in Ausnahmesituationen, wie der letztjährigen Quarantäne. Die Teilnahme an virtuellen Lehrveranstaltungen ist immer möglich und oft die einzige Möglichkeit Veranstaltungen durchzuführen, wenn Teilnehmende aus unterschiedlichen Regionen oder Ländern kommen.

Interaktion und Visualisierung

Durch die Funktionen der Videokonferenz-Software lassen sich Inhalte leicht mit multimedialen Tools darstellen und erklären. Für bestimmte Konzepte können Lehrende ein Whiteboard nutzen, um Modelle aufzuzeichnen oder Rechnungen zu erklären. Sie können Videos teilen oder Grafiken zeichnen.

Günstigere & nachhaltige Alternative

Zu Präsenzveranstaltungen (Unterricht, Vorlesungen, Seminare, Übungen, Messen) müssen alle Teilnehmenden kommen. In der Regel fallen hierbei Fahrtkosten für Bus, Bahn oder das Auto an. Der Ausrichter muss Räume buchen oder anmieten und hierfür die anfallenden Kosten tragen. 

Von virtuellen Lehrmodellen profitiert außerdem die Umwelt. Denn es werden keine Emissionen für Fahrten oder Ähnliches ausgestoßen.

Nachteile des virtuellen Modells

Virtuelle Modelle haben allerdings auch Nachteile, die Lehrende beachten sollten.

Technisches Verständnis und Ausstattung

Für die Teilnahme an einer virtuellen Veranstaltung ist ein technisches Grundverständnis nötig. Die Teilnehmenden müssen sich im grundlegenden Umgang mit Laptop und Software auskennen, ansonsten kommt es während der Veranstaltung zu vielen Problemen, wie fehlendes Bild oder einem stummen Ton.

Die Teilnehmenden benötigen außerdem eine stabile Internetverbindung, einen PC oder Laptop mit ausreichender Leistung und ein gutes Mikrofon, damit die Teilnehmenden verständlich miteinander interagieren können.

Störungen & Ablenkung

Da Schüler, Studenten oder Mitarbeiter oft von zu Hause an den Veranstaltungen teilnehmen, kann es währenddessen zu vielen Störungen oder Ablenkungen führen.

Eltern oder Geschwister können Lärm im Hintergrund verursachen oder den Unterricht direkt stören, indem sie ins Bild laufen. 

Hohe Selbstdisziplin erforderlich

Da es zu vielen Störungen kommen kann und Teilnehmende leicht ablenkbar sind, ist eine hohe Selbstdisziplin der Teilnehmende notwendig. Sie müssen die Umstände ausblenden und dürfen sich von anderen digitalen Medien während des Unterrichts nicht ablenken lassen.

Fehlender sozialer Kontakt

Im virtuellen Klassenzimmer sehen sich die Teilnehmenden zwar gegenseitig und können sich austauschen. Für private Gespräche oder tiefere Beziehungen fehlt allerdings in der Regel die Zeit. Deshalb sollten Lehrende von Zeit zu Zeit auch Präsenzveranstaltungen durchführen und nicht ausschließlich auf virtuelle Lehreinheiten setzen.

Genaue Planung und Regelsetzung erforderlich

Eine Online-Veranstaltung erfordert von Lehrenden eine genaue Planung. Von vornherein müssen Sie genau planen, wie viel Zeit Sie für einzelne Unterrichtsabschnitte, Übungen oder Erklärungen benötigen. Zudem müssen Sie vor allem bei jüngeren Schülern genaue Regeln durchsetzen.

Voraussetzungen & Erfolgsfaktoren für den virtuellen Klassenraum

Wenn Sie eine virtuelle Unterrichtseinheit umsetzen wollen, benötigen Sie und alle Teilnehmen die folgende Ausstattung: 

  • Eine gute und stabile Internetverbindung
  • Einen Laptop oder ein Tablet mit Mikrofon und Kamera
  • Eine Software, die Sie und Teilnehmende auf dem Laptop oder Tablet installieren müssen
  • Digitale Kompetenz im Umgang mit Laptop, PC, Tablet und Software

Wo kann man ein virtuelles Unterrichtmodell nutzen?

Ein virtuelles Unterrichtsmodell lässt sich mittlerweile für fast alle Veranstaltungen nutzen, nämlich

  • in Schulen
  • an Universitäten,
  • bei beruflichen Weiterbildungen
  • bei Seminaren
  • bei Messen
  • bei Coaching, Trainings und anderen Ausbildungen
  • bei individueller Nachhilfe in allen Fächern
  • beim Fremdsprachenunterricht

Tipps für das Umsetzen eines virtuellen Klassenzimmers

Für einen einfachen Start in den virtuellen Unterricht habe ich Ihnen die wichtigsten Tipps zusammengefasst.

Mit der Technik vertraut machen

Wenn Sie eine virtuelle Unterrichtseinheit durchführen wollten, sollten Sie sich zuallererst mit ihrem PC, Laptop oder Tablet vertraut machen. Wie kommen Sie ins Internet? Wie installieren Sie die Software? Wie kommen Sie in Ihr Ordnersystem?

Dann sollten Sie sich mit der Ausstattung vertraut machen, im Besonderen der Kamera und dem Mikrofon. Finden Sie heraus, wie Sie die Kamera und das Mikrofon einstellen. Überprüfen Sie, ob die Qualität der Kamera und des Mikrofons ausreichend sind. Das sollten Sie idealerweise vor der ersten Lehreinheit prüfen.

Den Teilnehmenden Ihre Hilfe anbieten

Sie sollten auch allen Teilnehmenden rechtzeitig den Ablauf der virtuellen Veranstaltung erklären. Sie sollten ihnen mitteilen, dass Sie bei Bedarf Hilfestellungen geben und bei der Installation helfen oder Fehlermeldungen erklären können.

Interaktive Unterrichtsmethoden nutzen

Die Motivation der Schüler erhöhen Sie, wenn Sie interaktive Unterrichtskonzepte nutzen; etwa ein interaktives Whiteboard, Umfragefunktionen oder Break-Out-Sessions. Sie sollten einfache und anschauliche Übungen nutzen, die Sie auch virtuell einfach erklären und kontrollieren können. 

Abläufe & Regeln etablieren

Ich empfehle Ihnen zudem feste Regeln zu etablieren, damit sich Schüler und Studierende leichter an den Ablauf halten können. 

Sie können beispielsweise einen Ablauf für den Unterrichtsbeginn definieren. Zu Beginn sprechen Sie 5 Minuten über das Ziel der Veranstaltung und die Wünsche an Ihre Schüler. Dann beantworten Sie offene Fragen. Im Anschluss beginnt der Unterricht. So wissen Ihre Schüler von Beginn an, worauf Sie sich einstellen müssen.

Sinnvolle Regeln könnten beispielsweise sein, dass sich Schüler vor einem Unterrichtbeitrag mit einer Nachricht in den Chat ankündigen müssen, dass alle Schüler die Kamera anschalten müssen, oder der Chat nicht für den persönlichen Austausch genutzt werden soll.

Den Unterricht nicht zu komplex abhalten

Virtuelle Unterrichtseinheiten können Teilnehmende schnell überfordern. Schüler müssen neue Funktionen und Unterrichtsmodelle erst erlernen. Sie sollten nicht erwarten, dass der Übergang in das virtuelle Klassenzimmer ohne Probleme funktioniert. 

Viele Schüler werden bestimmte Funktionen nicht auf Anhieb verstehen, oder mit den technischen Anforderungen Probleme haben. Deshalb sollten Sie neue Funktionen und Modelle nur schrittweise einführen und die Schüler nicht direkt überfordern. Ansonsten kann es sehr schnell passieren, dass Ihre Schüler die Lust am virtuellen Lernen verlieren.

Feedback einholen

Holen Sie sich nach den Lehreinheiten Feedback ein. Fragen Sie Ihre Schüler, was ihnen gefallen hat und womit sie Probleme hatten. Fragen Sie nach Verbesserungsvorschlägen für bestimmte Aufgaben oder Unterrichtsabschnitte. 

Nur so können Sie Ihren Unterricht langfristig verbessern und den maximalen Lernerfolg aus Ihren virtuellen Unterrichtsstunden herausholen.

Hybrides Lehren & Lernen

Virtuelles Lernen sollte nie die einzige Lernmethode sein, die Sie nutzen. Denn im Präsenzunterricht können Ihre Schüler soziale Kompetenzen erlernen und schlichtweg einfacher miteinander in Kontakt treten und über Probleme oder Unklarheiten sprechen.

Deswegen empfehle ich Ihnen, dass Sie neben der virtuellen Unterrichtseinheiten, stets auch Präsenzveranstaltungen abhalten sollten. Der Mix aus Präsenz- und Online-Unterricht nennt sich Hybrides Lehren. 

Im Artikel der Bundeszentrale für politische Bildung finden Sie weitere Informationen zu diesem Thema.

Bleiben Sie geduldig

Virtuelles Lehren ist nicht immer einfach und erfordert technisches Wissen und ein gewisses Durchhaltevermögen. Nicht alles wird auf Anhieb gelingen. Schüler können teilweise die Konzentration verlieren, bestimmte Tools werden nicht funktionieren oder Unterrichtseinheiten gelingen nur mit vielen Unterbrechungen. 

Das ist normal und sollte Ihnen keinesfalls Unmut bereiten. Wichtig ist, dass Sie ständig am Ablauf Ihrer virtuellen Einheiten arbeiten und versuchen langfristig einen reibungslosen Ablauf zu etablieren. 

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